Heute war ein brutal anstrengender Tag! Viele Hรถhenmeter, mehrere Kilometer Schรผttelbecher-Schotter, und landschaftlich gab es auch nicht viel zu sehen. Aber ich bin in Schottland angekommen!
Von der gestrigen Anfahrt zum Campingplatz wusste ich, dass es gleich steil bergauf geht โ ich hatte immerhin schon die Hรคlfte dieses Anstiegs geschafft, bis jener Camper, der mit seinem Van den Campingplatz bereits um 06.15 Uhr hรคtte verlassen wollen, mich รผberholte โ die Schranke lรคsst sich erst wieder ab 07.00 Uhr รถffnenโฆ
Danach ging es zunรคchst knapp 5 Kilometer flach auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke weiter, bis ich das Zentrum von Haltwhistle erreicht hatte. Nun ging es wieder steil bergauf, zum Glรผck waren die Strรคsschen kaum befahren. Im Laufe des Tages fragte ich mich aber schon, wie das Wasser hier abfliesst โ egal, in welche Richtung die Strasse ging, ich sah stรคndig den nรคchsten zu erklimmenden Hรผgel vor mir!
Nach einer โAbkรผrzungโ, welche Outdooractive vorgeschlagen hat, traf ich wieder auf die Radroute 68. Hรถhenmeter habe ich kaum weniger zurรผckgelegt, aber einige Kilometer an Distanz gespart. Allerdings kam mir erst im Verlaufe des Tages in den Sinn, dass ich auf dem Weg zu diesem Treffpunkt wohl den Hadrianswall โdurchbrochenโ habe. Da war eine Mauer, die deutlich dicker und hรถher war als alle anderen Steinmauern, die es hier wie Sand am Meer gibt.
Der Radweg benutzt so verlassene Strรคsschen, dass mehrmals auch Viehroste zu รผberqueren waren, die Schafe โ und aufgrund der Hรถrner vermutlich auch Widder โ kรถnnen dazwischen frei รผber die Strasse laufen. Plรถtzlich endete der Asphaltstreifen, und es ging auf einer Schotterpiste weiter. Netterweise gab es da gleich den Hinweis, dass diese fรผr den motorisierten Verkehr nicht geeignet seiโฆ In der Hรคlfte dieses krรคfteraubenden Abschnitts โ in den kleinen Abfahrten kann man kein Tempo aufbauen wegen den Schlaglรถchern, so dass man ohne Geschwindigkeit den nรคchsten Hรผgel vollstรคndig wieder hochkraxeln muss โ kam trotzdem von hinten ein LKW. Damit er durchkonnte und wohl irgendwo Holzstรคmme aufladen konnte, schob ich mein Rad von der Piste und wartete ein paar Minuten, bis sich der Staub wieder gelegt hatte.
Was war ich froh, als ich wieder ein Asphaltband vor mir sah! Nun kamen aber kurz hintereinander zwei Schilder, dass Furten zu durchfahren sind. Mit einem Messstab wurde angezeigt, wie hoch der Pegelstand ist. Nun, mir kam die Trockenheit der letzten Wochen zu Hilfe, Wasser war bei keiner dieser Stellen zu sehen. Deshalb konnte ich nach der Durchfahrt auch das Hinweisschild ignorieren, dass die Funktionstรผchtigkeit der Bremsen zu testen sei.
In Bellingham entschied ich mich dazu, die Route Nr. 68 zu verlassen und auf Hauptstrassen weiter Richtung Norden zu fahren. Da hatte ich noch keine 40 Kilometer in den Beinen, aber schon fast 800 Hรถhenmeter auf dem Konto โ und ich vermutete, dass dieses stรคndige auf und ab weitergegangen wรคre. Auf dem Weg in Richtung Otterburn ging es zwar zunรคchst auch viele Hรถhenmeter hinauf, nun aber wenigstens wieder mit einer etwas moderateren Steigung. Vor Otterburn traf ich auf die A68, die ich bis zum Etappenziel in Jedburgh befuhr. Gleich beim ersten Parkplatz fuhr ich hinaus und machte kurz nach 12 Uhr meine Mittagspause.
Auch auf der A68 waren viele kleinere Steigungen zu รผberwinden, die wieder in kleinere Abfahrten mรผndeten. Ich wusste aber, dass es ab dem Mittagspausenplatz bis zum hรถchsten Punkt 22 Kilometer waren. Also galt es, beharrlich die Pedale durchzutreten und sich nicht von den Fliegenschwรคrmen, die mich zweimal befielen, verrรผckt lassen zu machen. Und so kam frรผher als erwartet โ das Handy hatte ich in die Lenkertasche gelegt, damit keine Schweisstropfen darauf fallen โ kam das Schild, dass es bis zur Englisch-Schottischen Grenze nur noch eine Meile sei!
Oben angekommen, gab es Gipfelfotos und ein Sandwich, und ich freute mich auf die Abfahrt. Bei der frรผher hart umkรคmpften Grenze zwischen England und Schottland gab es natรผrlich auch auf der schottischen Seite Hรผgel zu erklimmen statt einer durchgehenden Abfahrt bis Jedburgh. Doch auch diese waren schlussendlich รผberwunden und ich konnte in Jedburgh einfahren.
Auf der Karte hatte ich gesehen, dass es gleich am Eingang zum Ort ein Toilettenhรคuschen und eine Fahrrad-Reparaturstation gibt, gleich vor der Jedburgh Abbey. So fuhr ich diesen Platz gleich an und versuchte, wieder etwas mehr Luft in den Hinterreifen zu bringen. Das war aber eine schlechte Idee, denn die dort montierte Luftpumpe funktioniert nicht und liess fast die ganze Luft aus meinem Reifen entweichen! So musste ich doch mit meiner Handpumpe wieder fรผr einen ordentlichen Druck sorgen.
Vor 27 Jahren fuhr ich bereits hier durch, die Etappe fรผhrte von Otterburn bis nach Edinburgh. Damals machte ich am Nachmittag noch eine Sightseeing-Tour in Edinburgh โ morgen werde ich froh sein, wenn ich von hier aus Edinburgh am Abend erreicht habeโฆ Von der damaligen Fahrt waren mir noch der Grenzstein sowie die Jedburgh Abbey in Erinnerung. Die vielen Wellen konnte ich damals sicher besser durchdrรผcken โ Mensch und Maschine mit Gepรคck waren zusammen aber auch um die 50-60 kg leichter als heuteโฆ


















