Am Morgen in Wales, nachmittags in Liverpool und am Abend auf der Isle of Man!
Das Fahrrad hätte ich gestern Abend nicht draussen an einem Palett anketten müssen, sondern auch in den Innenhof stellen können – entgegen dem Schild blieb das Tor die ganze Nacht offen. Es gab einen separaten Ausgang von den Zimmern vor das Tor, diesen habe ich heute Morgen trotzdem benutzt und die Schlüssel im Zimmer gelassen.
Die verbleibenden Kilometer in Wales gingen nochmals kräftig in die Beine! Der Radweg folgt wieder schmalen und von wenigen Fahrzeugen befahrenen Strassen, die umso steiler sind. Einmal nahm ich aber auch eine kreuzende Hauptstrasse, anstatt weiter den Berg hinaufzuklettern und ein paar Kilometer später wieder zur Hauptstrasse hinunterzufahren. Schlussendlich ging es von Bagillt bis Shotton auf einer anderen Hauptstrasse doch noch etwas flacher voran. Allerdings verpasse ich dann in Shotton den Abzweiger für den Veloweg – und als ich das realisierte, wäre der Rückweg länger gewesen als die nächste Abzweigung zum Veloweg. Schlussendlich wäre das Zurückfahren aber vermutlich schneller gewesen – ich stand wegen einer 50 Meter-Baustelle etwa einen Kilometer im Stau! Danach ging es über den River Dee, und wenige Meter vor dem unsichtbaren Übergang zurück nach England habe ich eine Essens- und Schlafpause eingelegt.
Auf englischem Boden waren nun Navigationskünste gefragt. Die Radwege führen in einem weiten Bogen nach Liverpool, einen so grossen Umweg wollte ich aber nicht machen. Sowohl Organic Maps wie auch Outdooractive empfahlen eine direkte Route über die Welsh Road. Als ich diese sah, wollte ich diese aber keinesfalls nehmen – viel zu viel und zu schneller Verkehr, auch mit HGV (Heavy Goods Vehicle). Also sparte ich mir diese auf der Karte orange eingezeichnete Strasse aus und hangelte mich auf gelben und weissen Strassen vorwärts. Manchmal kamen wieder Radwegweiser in meine Richtung, manchmal bogen sie von meinem nächsten „Move“ wieder ab.
Ich schaffte es nach Port Sunlight, und von dort aus konnte ich wieder einem Radstreifen / Radweg bis Birkenhead folgen. Dort fuhr ich die U-Bahn-Station „Hamilton Square“ an, kaufte ein Ticket für GBP 3.95 und unterquerte den River Mersey bis zur nächsten Station in Liverpool, „James Street“ – Brücken gibt es hier keine. Eine Alternative wäre noch die Fähre gewesen, aber die operiert nur am Morgen und am Abend für die Pendler als Fähre, tagsüber gibt es Touristen-Rundreisen.
In Liverpool angekommen, waren es nur noch wenige Meter zur Fussgängerzone. Dort suchte ich gleich den Decathlon auf, den ich gestern im Internet rekognosziert hatte. Mit dem Solarpanel habe ich ein paar Anfängerfehler gemacht, so dass dieses fast keinen Strom mehr generiert und ein neues her musste. Zudem habe ich gleich noch einen 22l-Dry Bag gekauft, der als Zeltsack dienen soll. Danach ging es in einen Handy-Shop um die Ecke und ich erwarb ein 2m USB-C Kabel. Kurz vor der Abreise vor drei Wochen begann das Ladegerät des Laptops zu spinnen, gestern Abend konnte ich es überhaupt nicht mehr dazu animieren, dem Laptop Strom abzugeben. Mit dem USB-Charger, den ich dabei habe, und den Smartphone-Ladekabeln geht es auch, diese Kabel sind aber nur 1 Meter lang – nun sollte ich wieder einen etwas grösseren Bewegungsradius von Steckdosen haben!
Es war nun 14 Uhr und meine Einkaufsliste abgehakt. Nach einer Pizza schob ich das Fahrrad weiter durch die Innenstadt und legte mich dann im Chavasse Park etwas in den Schatten, löste Sudoku, schlief und las. Nach 17 Uhr ging es noch kurz zum Einkaufen und es folgte die Fahrt zum Fährhafen. Um 19 Uhr war ich auf dem Schiff und habe mir einen komfortablen Sitzplatz ergattert, ca. 1 Stunde später legte dieses ab auf die Isle of Man. Dank WiFi auf der Fähre konnte ich schon einen grossen Teil des heutigen Berichts schreiben, so dass ich in Douglas nicht bis frühmorgens am Laptop sitzen muss…
Schlussendlich hatte die Fähre 1 Stunde Verspätung und kam erst kurz nach 23 Uhr Ortszeit an – aber als 2. Fahrzeug nach einem lokalen Motorradfahrer durfte ich von der Fähre und unbehelligt durch die Polizeikontrolle. So war ich im Nu bei meiner Unterkunft – und diese hat eine fantastische Lage! Auch die Gastgeber haben auf mich gewartet und sind sehr freundlich – ich sei auch ihr erster Gast überhaupt!
