Auf den ersten Kilometern ging es heute Morgen fast genauso langsam voran wie gestern, doch gegen Mittag spürte ich plötzlich mehr Druck auf den Pedalen – und diesen Druck konnte ich bis am Abend immer weiter aufbauen!
Das ich zu Beginn der heutigen Etappe nicht so rasch vorwärtskam, war auch kein grosses Wunder: Wenn ich den Sonntagmorgen nicht genutzt hätte und so die meisten Ampeln für Strassenüberquerungen ignorieren konnte, hätte ich noch mehr abbremsen und wieder von Null beschleunigen müssen! Zudem gab es auch die eine oder andere ruppige Steigung, die nur mit Schieben zu bewältigen war. Die Krönung kam nach Dartford: Zuerst musste ich das Gepäck vom Rad nehmen, um durch ein äusserst knapp bemessenes Gatter zu kommen – und danach folgten einige Kilometer Singletrack die so eng waren, dass das Gebüsch links und rechts an den Radtaschen zerrte. Da galt es, konzentriert zu fahren und den Lenker ganz fest zu halten. Zum Glück kam niemand entgegen – ein Kreuzen wäre kaum möglich gewesen!
Danach folgte der Radweg durchgehend dem Südufer der Themse bis in das Stadtzentrum von London hinein. Auf dem Weg waren viele Jogger anzutreffen – belebt war sonst hauptsächlich das Greenwich Village. Gegen die Mittagszeit traf ich jedoch bei der London Bridge ein – und was sich dort Menschenmassen angehäuft haben, ist unglaublich! Zum Glück hatte ich auf diesem Abschnitt eine Weile eine Frau mit Kinderwagen vor mir, so konnte ich mich mit meinem Fahrrad anschliessen und dieses durch das Gewusel schieben.
Mit London Eye und Westminster lagen noch ein paar Sehenswürdigkeiten direkt am Weg, neben dem einen oder andere Hochhaus, das ich anlässlich einer früheren beruflichen Tätigkeit noch als Illustration gesehen hatte. Das zweite Mittagessen gab es danach im South Park – ich hatte da in Organic Maps den Suchbegriff „Toilette“ eingegeben und brauchte nur wenige Meter, um in den Park zu kommen. Perfektes Timing! Später ging es noch durch den riesigen Richmond Park (mit einer kurzen Schlafpause), bis ich in Kingston upon Thames ankam und dort im Waitrose-Supermarkt noch ein paar Sachen einkaufte. Da mittlerweile die Sonne wieder kräftig schien, habe ich einen der beiden Milchshakes gleich auf Ex geleert.
Weiter ging es der Themse entlang – nun weiss ich, dass auch dieser Fluss Schleusen hat, bis ich kurz nach 17 Uhr Chertsey erreicht hatte. Das war mein heutiges Tagesziel, denn hier gibt es wieder einen Club-Campingplatz wie in Canterbury.
Wie gestern habe ich zum Navigieren die gespeicherte Route auf Organic Maps viel weniger konsultieren müssen als noch auf dem Kontinent. Zuerst folgte ich weiter der Route Nr. 1 vom Cycling Network (was ich gestern ab dem Zentrum von Canterbury bereits tat), in London erfolgte der Wechsel zur Route Nr. 4. Meistens sind die Radwege gut angeschrieben – wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. So gibt es teilweise zugewachsene Schilder, die so nicht lesbar sind, oder Kleber an Pfosten, die ich zu spät oder überhaupt nicht gesehen habe. Auch ist mir oft nicht klar, wann man zum Rechtsabbiegen auf der Fahrbahn bleiben soll und wann man die Fussgängerstreifen benützen sollte – ich konnte da noch keinen Unterschied in der Signalisation feststellen. Aber in städtischen Gebieten gibt es praktisch alle paar Hundert Meter einen Hinweis, dass man noch auf der Route ist – und wenn nicht, schaue ich rasch auf der App nach, wie ich am Besten wieder zurück auf die Route komme.
Am Abend habe ich erstmals auf dieser Tour meinen Kocher in Betrieb genommen. Bisher habe ich wärmebedingt in der Regel nur Salat und/oder Sandwiches gegessen. Ich hatte aber wieder mal Lust auf Pasta (Teigwarensalat habe ich bisher nirgends gesehen), und so gab es Penne mit Tomatensauce. Den Kartoffelsalat und die Sandwiches, die ich im Gepäck habe, kann ich dann morgen unterwegs verzehren.
