Bei jedem Aufwachen hoffte ich, dass das Handy nun geladen werden kann – leider vergebens. Normalerweise benötigt dieses Gerät in der Nacht etwa 1 % Akkuleistung. Der blöde Feuchtigkeitssensor braucht wohl Energie, denn in der letzten Nacht wurden ganze 4 % entladen. So machte ich mich um 7.00 Uhr mit gerade noch 40 % Akkuleistung auf den Weg. Entsprechend sparsam setzte ich MAPS.ME zum Navigieren ein, denn diese App ist ein Energiefresser. Der Verbrauch lag heute daher im Schnitt bei 4 % pro Stunde – und ich versuchte auch tagsüber alles, damit ich wieder aufladen konnte. Doch Schütteln, auf den Abfahrten in den Fahrtwind halten oder die Sonne drauf scheinen lassen nützte alles nichts.
Unterwegs ging es zunächst an den Lago di Varese, wo auch ein Radweg mehr oder weniger dem Ufer folgt. Auch hier gibt es noch Spuren der Unwetter der letzten Wochen, und schon nach wenigen Kilometern stand ich bis über die Knöchel im Wasser. Ich habe ein Wasserloch unterschätzt und blieb mittendrin stecken. Zum Glück hatte ich bereits vor der Durchfahrt die Klickpedale ausgeklinkt, sonst wäre ich vielleicht komplett baden gegangen…
Nach dem Lago di Varese ging es in Varese hinein – und diese Stadt befindet sich auf einem wesentlich höheren Level! Der Radweg führte eine lange, steile Rampe hoch, auf der Zwischendurch zusätzlich noch Hindernisse zu umfahren waren (vermutlich, damit man nicht zu schnell hinunterfährt). Auch als ich wieder eine Hauptstrasse erreicht hatte, ging es weiter hoch, nun allerdings nicht mehr gar so steil. Schlussendlich folgte ich einem Bus, denn dieser fuhr offensichtlich zum Bahnhof – dort führt auch meine Route vorbei.
Die Stadtausfahrt war etwas einfacher, da es nun wieder bergab ging. Bei einem Kreisel galt es, die richtige Ausfahrt zu treffen, damit ich auf den nächsten Radweg einbiegen konnte. Da musste ich aber aufpassen, nicht zu weit zu fahren: Der Radweg geht bis Mendrisio und damit über die Schweizer Grenze. Ich fand den Abzweiger nach Cagno, und auch hier ging es wieder steil den Berg hoch. Und auch als ich oben angekommen war, warteten weitere Wellen auf mich. Ich hatte das Gefühl, dass ich heute keinen Anstieg auslasse…
Es ging doch noch nach Como hinunter, nun wieder auf stark befahrener Strasse, in der Stadt zur anderen Seite des Tales – und sogleich wieder steil hoch. In diesem Anstieg machte ich auch meine Mittagspause, um mich nach der Rast der weiteren Steigung zu finden.
Mit der Zeit lag eine grosse Spannung in der Luft, denn es ging an der Gruft von Alessandro Volta vorbei. Dort glaubte ich auf dem höchsten Punkt zu sein – und bog falsch ab. Es ging endlich eine Weile flach oder leicht bergab dahin, bis ich plötzlich an einem Sackgasse-Schild stand! Auf MAPS.ME sah ich, dass ein Fussweg am Ende der Strasse weitergeht und nach etwa 300 m in die nächste Strasse mündet. Auf dieser Strecke musste ich aber noch einmal böse leiden, denn es ging auf einem mit runden Flusssteinen gepflasterten Weg steil hoch. Das ging nur mit Schieben!
Am Ortsausgang von Albese besuchte ich den Carrefour, gleich danach ging die Route steil wieder den Berg hinunter – nun waren die Bremsen gefragt. Fast unten am nächsten See angekommen, stand da wieder eine Strassensperre im Weg. Also umplanen und nördlich der Seen durch anstelle Südlich. Das ist erst noch kürzer. Aber ich hätte so auch auf der Hauptstrasse runterrollen können…
Aufgrund der schwindenden Akkuleistung steuerte ich nur noch Lecco an, wo ich am Ufer des Comersees ein Hotelzimmer nahm – der Akkustand war da um 15.00 Uhr gerade noch bei 4 %… Im Hotelzimmer versuchte ich das Handy mit dem Fön zu trocknen und suchte im Internet nach Lösungen, aber alles ohne Erfolg. Da waren es nur noch 2 %… Schlussendlich schaltete ich das Handy aus, steckte es so ein – und nun lud es wieder! Aber im eingeschalteten Zustand weigert es sich immer noch, aufgeladen zu werden… Nun, immerhin kann ich so morgen wieder die nächste Etappe aufzeichnen und – noch viel wichtiger – auf die Karte zugreifen!


















