Nachdem ich den gestrigen Text geschrieben hatte, nahm ein Gewitter den Zeltplatz ins Visier. Während 90 Minuten blitzte und donnerte es, und auch Regen war dabei. Mein Zelt hat die Prüfung bestanden und ist auch nach 15 Jahren noch wetterfest!
Heute morgen war alles wieder trocken, so dass ich bereits um 7.20 Uhr vollbeladen losrollte – keine Minute zu spät, denn gleichzeitig begann es zu tröpfeln. Mit der Zeit wurde der Niederschlag etwas stärker, doch erst wenige Kilometer vor Lindau lohnte es sich, den Regenschutz hervorzukramen.
In Lindau galt es, den Abzweiger des Fahrradweges nicht zu verpassen, denn ich wollte ja nicht nach Bregenz bzw. um den ganzen Bodensee herum. Im zweiten Anlauf erwischte ich die Wegfahrt vom Bodensee, nachdem ich etwa einen Kilometer wieder zurückfahren musste.
Nun ging es nicht mehr mehrheitlich flach dem See entlang, sondern hauptsächlich bergauf. Die niedrigen Gänge – insbesondere der 1. Gang – wurde heute viel gebraucht. Mit der überwiegenden Bewölkung war es immerhin nicht so heiss wie gestern. Der Schweiss floss dennoch in Strömen…
Unterwegs muss ich ein Radweg-Schild verpasst haben. Als ich meine Position mit MAPS.ME prüfte, war ich einiges südlicher unterwegs als vorgesehen. Da sich wenigee Kilometer später die beiden Routen wieder kreuzen werden, machte ich mir aber keine Sorgen. Diese Kreuzung befand sich am Beginn einer schönen Abfahrt, was ich aber erst weiter unten realisiert. Da wieder hoch? Nein danke!
Ich folgte anderen Radwegen, und konnte plötzlich auf einem alten Bahntrassee weiter ins Tal rollen, bis ich Weiler im Allgäu kurz vor Mittag erreichte – und dieser Ort befindet sich ja wieder auf meiner geplanten Route! Da habe ich mit viel Glück eine schöne Abkürzung gefunden.
Mit dem vielen Hin und Her musste ich zuerst aber meine Orientierung wieder kalibrieren, denn gefühlt hätte ich rechts abbiegen müssen – dort sind aber die Ortschaften angeschrieben, wo ich herkam. Auch MAPS.ME zeigte mir, dass ich in die andere Richtung muss.
Körperlich war ich nach diesem 60 km-Ritt schon ziemlich am Ende, und mit dem einsetzenden Regen war auch die Moral weg. Eines der beiden Hotel öffnete aber erst um 17 Uhr, also in 5 Stunden, und das andere war mir nicht symphatisch. Also setzte ich mein Fahrrad doch wieder in Bewegung und folgte der Route.
Da ging es nun eine Steilwand hoch, die ersten Meter noch im Regenschutz, dann aber wieder bei trockenen Bedingungen. Mehrnals legte ich eine Pause ein, umd wieder Kraft zu tanken. Mit viel Mühe kam ich dann doch noch oben an und freute mich auf die Abfahrt. Diese Freude währte aber nur kurz, denn es war noch eine weitere Steigung zu bewältigen.
Schlussendlich war ich auch da drüber und konnte nach Oberstaufen hinunterrollen. Soll ich nun hier übernachten? Es scheint aber gerade die Sonne, es ist erst 14 Uhr und Immenstadt ist weniger als 20 km entfernt. So fahre ich weiter, nutze den Rückenwind und fahre bei leichtem Gefälle das Tal hinunter. In Bühl am Alpsee, gerade vor Immenstadt, erreiche ich kurz nach 15 Uhr den Campingplatz. Nun ist aber wirklich Schluss für heute!
Noch während ich das Zelt aufstellte, zogen wieder Wolken auf. Der für heute Nacht angekündigte Regen kommt also doch. Kurz vor 17 Uhr kochte ich daher eine grosse Portion Spaghetti, und genau mit dem Regenbeginn konnte ich dann essen. Gut, habe ich eine grosse Apsis im Zelt!


















