Als ich am Morgen um 07.15 Uhr definitiv aufwachte, sprang ich auf den kleinen Balkon und konnte erfreut feststellen, dass es immerhin nicht mehr regnet. Es ist zwar immer noch kühl und bewölkt, aber trocken. So packte ich zuerst alle meine Sachen in die Packtaschen und labte mich dann ausgiebig am Frühstücksbuffet hier im Hotel Nuevo Mundo. Kurz nach 9 Uhr stieg ich dann aufs Rad, jetzt aber mit langen Hosen, der Windstopper-Jacke über dem Thermohemd – und mit Handschuhen! Und das blieb so den ganzen Tag am Körper. Im Gegensatz zu Mittwoch habe ich mich heute immerhin nicht noch vergebens mit Sonnencrème eingeschmiert…
So machte ich mich auf den Weg Richtung El Nihuil, und zwar entlang der Hauptstrasse. Als ich die Brücken und Alleen hinter mir gelassen hatte, wurde es hügelig. Und schon bald kam mit der Cuesta Termenos der erste richtige Anstieg. Da konnte ich auch alle paar Meter Rastplätze ausmachen, einer schöner als der andere. Ich nutzte diese aber nicht und schaffte es, in einem Zug hochzufahren!
Im oberen Teil kam ich dann in die Wolkendecke hinein, die Strasse wurde leicht feucht und die Sichtweite war für die nächsten 35 Kilometer nie weiter als 300 Meter, oft sogar im Bereich von nur 50 Metern! Da hatte ich dann auch Angst, die Abzweigung nach El Nihuil zu verpassen – doch das war dann kein Problem. Mehr Probleme hatte ich mit dem Vortrieb, und als ich so langsam dahinkriechte, befürchtete ich schon, dass das Hinterrad an der Bremse schleift. Erst viel später erfuhr ich dann, dass El Nihuil sich auf 1300 Metern über Meer befindet und damit mehr als 500 Meter höher als San Rafael. Dass es nach der Cuesta Termenos weiter bergauf ging, war aufgrund des dichten Nebels einfach nicht festzustellen!
Ich befürchtete dann schon, dass ich in El Nihuil die Tagesetappe abbrechen muss. Auf meiner Karte ist der danach folgende Cañón del Atuel als Sehenswürdigkeit eingezeichnet. Aber wie sehenswürdig wäre das mit einer so geringen Sichtweite… Doch wie ein Wunder lichtete sich der Nebel eine Handvoll Kilometer vor El Nihuil, und so bog ich dann doch auf die Schotterstrasse zum Cañón ab.
Zuerst ging es da ein paar wenige Kilometer oben den Abgrund entlang, bis es plötzlich in Serpentinen auf den Talgrund ging. Wie viele Jahrmillionen Gesteinsschichten ich in diesen paar Minuten wohl durchfahren habe? Jedenfalls konnte ich nun dem Flüsschen entlang rollen, die hohen Felswände und -formationen bewundern, 1 Meter hohe Kakteen bestaunen und majestätische Kondore beobachten. Ich machte ihnen allerdings nicht die Freude, mich als Aas zur Verfügung zu stellen…
Wenn (wie wohl üblich) die Sonne scheint, strahlen die Felswände sicherlich noch mehr in den verschiedenen Farben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass dann in der engen Schlucht auch Temperaturen wie im Backofen herrschen. Deshalb wusste ich nicht so recht, ob ich die fehlende Sonne nun bedauern soll oder nicht.
Jedenfalls war es sicher eine gute Idee, von El Nihuil aus den fantastischen Cañón del Atuel zu befahren und nicht umgekehrt, denn so konnte ich es 30 Kilometer lang rollen lassen bzw. mit leichtem treten vorwärts kommen. Andersrum wäre das alles bergauf gegangen und hätte sicher nur einen kleinen Bruchteil Spass gemacht… Erst am Schluss musste ich dann in Serpentinen wieder einiges an Höhe gewinnen und so den Staudamm umfahren.
Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde – es war schon nach 18 Uhr – entschied ich mich dann, nicht ganz bis Valle Grande zu fahren und dort nach einer Unterkunft Ausschau zu halten. Denn wenn es dort nichts (freies) gibt, würde ich sicher nicht so einen ruhigen Zeltplatz finden wie hier ungefähr 6 Kilometer vor Valle Grande. Denn wer fährt schon nachts auf dieser Schotterstrasse durch diese Schlucht?
Und so habe ich nun auf Sand gebaut. Da muss ich heute Nacht vorsichtig sein, sonst zieht es mir die Heringe raus…


















