Als ich um 6 Uhr aufwachte, hรถrte ich trotz Ohrenpfropfen ein krรคftiges rauschen und prasseln. Regen? Das darf doch nicht wahr sein! Ich schaute vorsichtig aus dem Zelt – und konnte tief durchatmen. Der Wind rauschte durch die Bรคume, und die welken Blรคtter prasselten zu Boden. Da konnte ich mich beruhigt noch mal umdrehen und eine halbe Stunde vor mich hindรถsen…
Wie in den letzten Tagen war ich dann bei der รffnung vom Campingbรผro um 8 Uhr der Erste, der bezahlte und das Weite suchte. Da warf ich noch ein paar Blicke auf das Meer, bevor ich ihm den Rรผcken zudrehte und mich auf das Kรผstengebirge fokussierte: Der Paso la Forcella mit einer Hรถhe von 875 Meter รผber Meer stand auf dem Programm. Um 11 Uhr stand ich nach 34.44 km dann tatsรคchlich auf der Passhรถhe – 560 Meter frรผher, als ich aufgrund der Karte abgeschรคtzt hatte… Beim Bergauffahren hatte ich durchwegs ein gutes Gefรผhl. Die Strasse war mit einer gleichmรคssigen, moderaten Steigung durch schattenspendenden Wald angelegt. Auch der Autoverkehr war sehr bescheiden – herrlich, wenn man so ohne grosse Probleme auf der Passhรถhe stehen kann!
Dafรผr hatte ich dann auf der anderen Seite zuerst ein bisschen mehr Mรผhe. Wenn man sich auf die Abfahrt freut, und dann geht es praktisch flach weiter, ist das ganz schรถn gemein! Da machte ich dann rasch eine kleine Essenspause und schaute auf den Aveto. Unglaublich, wie klar dieses Flรผsschen ist! Ich schaute auf ein geschรคtztes 3 Meter tiefes Becken hinunter, und man konnte problemlos bis auf den Grund durchsehen. Ein paar dunklere Stellen gab es schon – das waren die Fische, die sich herumtummelten…
Ich fuhr dann weiter durch das wunderschรถne Tal der Aveto. Es ging meist nur ganz minim bergab, und das wรคhrend รผber 40 Kilometer. Blicke hinunter ins enge Tal, von Zeit zu Zeit wieder ein Dรถrfchen weiter oben in die Felsen geklebt – trotz stetigem Treten einfach genial! Da kรถnnte es auch toll sein, mit dem Rennrad hochzufahren und die grossen Gรคnge durchzutreten versuchen.
Als ich oben so richtig ins Tal der Aveto eintauchte, zeigte ein Schild an, dass Piacenza noch 77 Kilometer weg sei. Ganz schรถn weit, und heute wohl nicht mehr zu schaffen. Aber dann – haben meine Beine herumgewirbelt wie schon lange nicht mehr! Ich konnte bei Gegensteigungen kurz aus dem Sattel gehen und in den grossen Gรคngen durchdrรผcken. Dann ass ich in Bobbio – 45 Kilometer vor Piacenza – noch eine Mais-Pizza, und die hat mir offenbar den Rest gegeben. Danach flog ich fรถrmlich nach Piacenza! Knapp 1.5 Stunden spรคter bog ich gegen 16 Uhr in die Stadt ein – รผbertreiben wollte ich es dann doch nicht und die etwas mehr als 30 Kilometer nach Cremona auch noch durchbolzen…
Zur Feier des Tages habe ich mir dann das erstbeste Hotel gegรถnnt. So ein Tag wie heute macht Lust auf mehr! Na ja, morgen kรถnnte ich es zum Gardasee schaffen, und dann kรถnnten in der letzten Woche noch ein paar Berge im Wege stehen…


















