Das 6er-Zimmer wurde doch noch ganz voll – und der letzte Ankömmling war Waldarbeiter!
Als ich um 07.15 Uhr losfuhr, war es wieder ziemlich frisch – so war nichts mit kurzarm. Stattdessen habe ich wieder das gelbe, dicke Langarmtrikot über das Thermo-Unterhemd angezogen. Nur nach der Mittagspause konnte ich für knapp eine Stunde den Reisverschluss etwas öffnen sowie die Ärmel nach hinten ziehen; das morgendliche Einstreichen mit Sonnencrème hätte ich mir also sparen können…
Gestern fuhr ich auf der Hauptstrasse zum Giant’s Causeway, da nach dem Einkauf in Bushmills ein Mega-Stau zurück in Richtung Radweg war, während ich freie Fahrt in die andere Richtung hatte. Heute wollte ich aber auf dem Radweg zurück, und da hatte ich nach ein paar Hundert Meter ein paar Navigationsschwierigkeiten; ich sah da die Strasse wieder auf mich zukommen, auf der ich gestern hergefahren war. Also auf der Karte nachschauen und feststellen, dass ich auf hätte rechts abbiegen sollen. Also zurückfahren, links abbiegen – und nach ein paar Hundert Metern stand ich vor einem verschlossenen Tor zu einem Privatgrundstück… Also wieder auf der Karte nachschauen – nun war ich zu weit westlich, was ich zuvor zu weit östlich war… Also wieder zurück zu dieser Abzweigung, diesmal mit eingeschalteter Karte, und der Radweg geht da direkt der Bahnlinie entlang. Endlich war ich auf dem richtigen Weg!
Mit Portrush und Portstewart fuhr ich durch zwei Küstenörtchen – wobei ich bei Ersterem direkt am Strand war und den Wellenreitern zuschauen konnte. Am Ortsausgang von Portrush ging der Radweg kräftig bergauf und ich bin mir nicht so sicher, ob ich da einen Mountainbiker demoralisiert habe. Ich trat einfach stärker in die Pedale und spürte, wie meine Beine die entsprechende Kraft entfalten konnten. Als ich oben angekommen war, schaute ich kurz zurück und sah einen Mountainbiker kräftig keuchend und mit dem ganzen Rad schwankend hinter mir. Obwohl es eigentlich keinen anderen Weg gibt, habe ich ihn auf der Weiterfahrt nicht mehr gesehen…
Nach diesen beiden Orten führte der Radweg landeinwärts nach Coleraine, um dort ein Fliessgewässer zu überqueren. Auf der anderen Seite des Flusses ging es anschliessend wieder zurück zur Küste. Nachdem der Radweg durch eine schöne Waldpassage ging, verliess ich diesen allerdings – auf den nächsten Kilometern wären über 300 Höhenmeter zu erklimmen gewesen, und ich konnte die erste steile Rampe schon sehen! Stattdessen nahm ich die Hauptstrasse, die zwischen Strand auf der einen Seite und einer Häuserzeile und steilen begrünten Felswänden auf der anderen Seite eingeklemmt ist. Auf dieser flachen Passage kam zudem noch Rückenwind auf, so dass ich wieder sehr flott vorankam.
Das Kreuzen „meiner“ Strasse mit dem Radweg hatte ich verpasst, das spielte aber Distanzmässig keine Rolle – ich war so einfach etwas früher bei der B201, der ich nun folgte. Diese hat einen Rad- und Fussweg auf einer Seite. Einfach blöd, wenn nicht angeschrieben ist, dass man nach einem Kreisel die Seite wechseln sollte und der geteerte Radweg abrupt im Gras endet…
Auf dieser Strecke zwischen Limavady und Greysteel gab es definitiv nicht wenig Verkehr. Danach war ich wieder fast alleine auf einem Strässchen – glücklicherweise, denn die steilen Anstiege waren nur im Zick-Zack zu erklimmen!
So erreichte ich Derry/Londonderry, wo meine Unterkunft für die nächsten Tage am Stadtrand liegt. Zuerst fuhr ich aber daran vorbei und ein paar Hundert Meter weiter zum Tesco. Da es nur ein „Express“ war, hatte er nicht alles Gewünschte im Sortiment, und so ging ich halt nebenan im M&S noch Milch mit Erdbeer- und Bananenaroma kaufen… Als ich aus dem M&S wieder raus kam, begann es leicht zu regnen – hätte das nicht noch 10 Minuten warten können? Da es weniger als 1 Kilometer zur Unterkunft war, liess ich den Regenschutz im Trockenen und wurde bald von Shauna herzlich mit feinem Gebäck begrüsst. Das Zimmer mit Bett, Bad und kleiner Küche hat sie aus einer Erbschaft in ihrem Garten bauen lassen. Und mittlerweile hat sie noch Geburtstagskuchen von einem Nachbarn vorbeigebracht – die Energiereserven werden also wieder gefüllt! Und nun kenne ich auch den Unterschied zwischen „Northern Ireland“ und „North Ireland“.



















