In der sternenklaren Nacht wurde es so kalt, dass ich mitten in der Nacht den Reissverschluss des Schlafsacks schliessen musste! Nach einem verkürzten Morgenessen – ich habe ein Morgenessen auf der Fähre reserviert – packte ich meine Sachen zusammen und machte mich daran, die Packtaschen am Fahrrad zu montieren. Wie üblich ein kurzer Kontrolldruck an den Rädern – und das Vorderrad hat kaum Luft drin! Immerhin kein vollständiger Platten, sondern „nur“ ein schleichender Plattfuss, den ich mir gestern eingefangen habe. Ich pumpte das Rad wieder auf und hoffte, dass ich bis zur Fähre durchkomme. Diese 5 km waren schlussendlich kein Problem, ich musste erst 5 km vor dem Campingplatz wieder etwas Luft reinpumpen.
In Rosslare Harbour war ich kurz nach 7 Uhr und stellte mich in die Schlange der Autofahrer. Da gesellte sich John aus Norwich mit seinem Fahrrad zu mir. Er fuhr den Rhein-Radweg, auch durch die Schweiz bis nach Andermatt, nahm dort einen Zug nach Genf und hatte von dort aus noch sechs Tage Zeit, um rechtzeitig für die Sonnenfinsternis in Barcelona einzutreffen. Danach fuhr er nach Bilbao, wo er die Fähre nach Rosslare nahm und gestern ankam. Von Spanien aus gibt es auch Fähren direkt nach England, aber mit der Fähre von Rosslare nach Fishguard ist das UK-Zugticket praktisch mit dabei, so dass er mit diesem Umweg günstiger nach Hause kommt.
Die Fähre legte pünktlich um 08.15 Uhr ab und kam auch pünktlich um 11.45 Uhr in Fishguard an. Dort ging ich gleich im Tesco Express einkaufen; im Shop sagte jemand, dass es in diesem Laden teuer sei, aber diese Dame war zuvor wohl nicht in Irland gewesen… Ich kaufte Lebensmittel für etwas mehr als GBP 20 ein, die ich in Irland kaum unter EUR 40 erhalten hätte – also habe ich da etwas mehr als CHF 20 gespart.
Vom Hafen ging es gleich steil den Berg hoch, und der Rest des Tages war eine ständige Berg- und Talfahrt, zum Glück überwiegend mit etwas Windunterstützung. Etwas geschockt hat mich der Zustand der Vegetation, die Felder und die Farne sowie Büsche entlang der Strasse waren braun. Ich wusste ja, dass es in Kontinentaleuropa länger nicht geregnet hat, aber das Wales – und somit wohl auch Südengland – davon betroffen ist, war mir nicht bewusst. Sogar im Süden von Irland, wo es auch kaum geregnet hat, waren die Felder noch grün, und dann das hier: ich kam mir vor, als wäre ich in Andalusien!
Die Blicke auf die Buchten und Klippen waren jedoch überwältigend, und ich genoss die Fahrt mit einem Himmel, der erstmals seit langem wieder mehr blau als grauweiss war!
Gegen 14.00 Uhr legte ich noch eine Mittagspause ein und fuhr anschliessend die letzten 20 Kilometer zum Campingplatz, wo ich kurz nach 16.00 Uhr eintraf. Das ist ein richtiger Moloch, welcher praktisch die ganze Bucht belegt! Das Zelt aufstellen war jedoch nicht ganz so einfach: Ich musste aufpassen, dass die starken Böen nicht Sachen wegwehen und das Zelt sicher steht, bis ich die zentralen vier Häringe an allen Ecken verankert hatte.
Auf eine Reparatur des schleichenden Plattfusses habe ich noch verzichtet und widmete mich der Planung, wo ich morgen übernachten könnte. Mal schauen, auf welchen Campingplatz ich es schaffe – und sonst ist das Zimmerangebot hier – im Gegensatz zu Irland – wieder bezahlbar!
Am anderen Ende des Campingplatzes gibt es noch ein kleines Restaurant, und als ich auf meine Pizza wartete, konnte ich die letzten Fahrer beim Eröffnungszeitfahren der Vuelta in Monaco verfolgen. Einmal wunderte ich mich allerdings, warum die in Monaco die Radspur auf der falschen Seite der Strasse auflackiert haben. Ach ja, dort herrscht ja Rechtsverkehr…
