Was fรผr ein Tag!!!
Um 7.00 Uhr war mein Fahrrad wieder fahrbereit, die Rezeption aber noch nicht offen. Mit meiner Key-Card konnte ich mein Velo aber probemlos aus der Garage holen und jedesmal die Tรผre รถffnen, wenn ich wieder zwei Hรคnde voll Gepรคck herausgetragen hatte. Die Key-Card legte ich dann auf den Tresen – dort werden sie diese wohl finden…
Nach dem gestrigen Regen war es heute deutlich kรผhler und immer noch bewรถlkt, aber trocken und gerade noch warm genug, um auf das Thermounterhemd verzichten zu kรถnnen. Ich fuhr weiter auf dem Radweg, und bald fรผhrte dieser in eine enge Schlucht, wo sich nur der Radweg zusammen mit dem Fluss durchzwรคngen kann, wรคhrend die Hauptstrasse woanders langgeht. Herrlich!
In Galtรผr konnte ich riesige Lawinenverbauungen aus Stein sehen, die vor jedem Haus errichtet wurden. Ob diese aber auch tatsรคchlich standhalten, wenn sich Schneemassen lรถsen und den Hang hinunterkommen?
Nach Galtรผr ging es steiler hoch, und ich konnte auf die praktisch leere Hauptstrasse hinunterblicken – da werden die Touristenbetriebe kaum Freude haben, wenn die Silvretta Hochalpenstrasse bis Ende Saison nicht mehr geรถffnet werden kann!
Als ich den nรคchsten Ortsteil – vermutlich der hinterste im Tal – erreicht hatte, ging der Radweg zum Steinisjoch noch steiler bergauf. Das waren sicher 15 %, die ich da im kleinen Zick-Zack hochkletterte. Aber nach dem halben Ruhetag von gestern hatte ich hervorragende Beine und konnte alles fahren. Spรคter ging es etwas weniger steil hoch, aber es war immer noch anstrengend genug. Eigentlich fรผhren ja zwei Strassen auf dieser Seite zum Zeinisjoch hoch. Ich gehe davon aus, dass die neue Strasse nicht so steil ist wie die alte, welche vom Radweg genutzt wird. Sonst hรคtte es wohl kaum Camper oben auf dem Zeltplatz…
Der Zeltplatz ist an einem kleinen See gelegen, danach ging es nur noch ein wenig bergauf – und schon war ich auf dem Parkplatz, der fรผr den motorisierten Verkehr Endstation bedeutet. Da war es erst 09.00 Uhr – ich hatte gehofft, um 10.00 Uhr oben auf diesen 2’822 m. รผ. M. zu sein!
Auf der anderen Seite gibt es allerdings eine schmale und sehr steile Versorgungsstrasse, die von Radfahrern benutzt werden darf. Die Rampen sind da deutlich รผber 20 % steil – und das nicht nur fรผr eine kurze Strecke! Ich rollte daher vorsichtig hinunter, stรคndig auf den Bremsen. Es kamen mir aber erstaunlich viele Radler entgegen, die meisten davon allerdings mit der Unterstรผtzung eines Elektromotors. Grossen Respekt hatte ich vor jenen, die den Anstieg ohne zusรคtzlichen Antrieb versuchten!
Die Strasse bog gleich oberhalb der Mautstelle in die Silvretta Hochalpenstrasse ein. Alle Schranken waren geschlossen, nur mit dem Velo konnte man daneben durchfahren. Und bis weit unten im Tal war die Hauptstrasse wiederum verwaist… Ich folgte aber dem Veloweg, auf dem ich mich kaum verfahren habe und zu 99 % bestens ausgeschildert ist. Nach Schruns und Bludenz steuerte ich Feldkirch an, und von dort aus machte ich noch einen Abstecher ins Fรผrstentum Liechtenstein.
Von dort aus ging es dem Rheindamm entlang, immer auf der รถstlichen Seite. Da zeigte sich dann definitiv auch die Sonne, aber ich hatte immer noch ein sehr gutes Gefรผhl. So brauste ich dem Rhein entlang bis an den Bodensee, ein paar Kilometer lang auch im Windschatten eines E-Bikes, stets knapp ausserhalb der Schweizer Landesgrenze.
Nun ging es durch Bregenz, was mit den vielen Leuten und den Umleitungen nicht ganz einfach war. Aber auch da kam ich durch – und schon wechselte die Farbe der Fahrradweg- und Ortschilder. Somit erreichte ich heute das dritte Land: Nach รsterreich und dem Fรผrstentum Liechtenstein nun also auch Deutschland. Die Sammlung der Nachbarlรคnder auf dieser Tour ist somit komplett, der Kreis muss nur noch geschlossen werden…
In Lindau gab es nochmals eine Umleitung, wo ich anm einer Stelle mit dem Ausschlussverfahren im dritten Anlauf die richtige Fortsetzung fand, kaufte noch EDEKA ein und recherchierte von dort aus die Campingplรคtze. Nur vier Kilometer entfernt war jener von Wasserburg, den ich direkt ansteuerte und um 17.00 Uhr erreichte.
Essen ging ich gleich nebenan am Uferfest des รถrtlichen Musikvereins. Dabei stellte ich fest, dass es akkustisch keine grosse Rolle spielt, ob ich der Blasmusik 10 Meter von der Bรผhne entfernt zuhรถre oder 200 Meter entfernt von meinem Zelt aus – die Mikrofone und Lautsprecher bringen den Sound voll rรผber. So werde ich heute Abend die Musikklรคnge geniessen und zu diesen einschlafen…


















