Gestern Abend hat es nochmals geregnet, das Zelt war daher beim Einpacken tropfnass. Als ich um 07.15 Uhr losfuhr, schien zwar schon länger die Sonne und ich brauchte nichts langärmeliges, der Campingplatz lag aber im Schatten.
Kurz nach dem Start musste ich bereits eine Planänderung vornehmen: „Route barré à 900m“. Ich sah dann längere Zeit kein weiteres „Déviation“-Scjhild, aber nach ein paar Kilometer eine Abzweigung. MAPS.ME bestätigte, dass ich damit auf die nächste Verbindungsstrasse zurück auf meine Route komme – und so habe ich wohl ein paar Kilometer Umweg gespart.
Bis Belfort ging es auf einer verkehrs- und wellenreichen Strasse weiter, bis ich dort den Doubs erreichte und mehr oder weniger dessen Ufer folgen konnte. Der Radweg war grundsätzlich gut ausgeschildert, nur einmal führte er mich in die Irre, als ich den falschen Eurovelo-Schildern folgte.
Ich kam gut voran, beim Mittagessen in L’Isle-sur-le-Doubs hatte ich bereits über 70 km zurückgelegt, zu meinem Tagesziel in Baume-Les-Dames waren es nur noch deren 33. Da keimte die Hoffnung auf, es 35 km weiter bis nach Besançon zu schaffen und dort zwei Nächte im Hotel zu verbringen – schliesslich ist für morgen Dauerregen angesagt.
Auf dem Weg nach Baume-les-Dames gab es zwei signifikante Steigungen in Dörfern zu bewältigen. Nach einem supersteilen Anstieg im ersten Dorf (der Radweg führt zuerst noch durch enge Gassen dem Doubs entlang und geht rechtwinklig zum Fluss hoch, während die „normale Strasse“ für Autofahrer mit geringerem Steigungswinkel an den selben Punkt führt), gönnte ich mir ein halbstündiges Nickerchen. Wenige Kilomter später im nächsten Dorf legte ich mich am früheren Dorfwaschplatz in den Schatten, bevor ich die letzten Höhenmeter dieser Steigung in Angriff nahm.
In Baume-les-Dames, angekommen kurz nach 14.30 Uhr, fuhr ich gleich zum Super-U, mit mehreren Zielen: 1. Trinkwasserreserven auffüllen, 2. aktuellen Wetterbericht abfragen, und darauf basierend 3. ein Hotelzimmer in Besançon reservieren. Vor dem Super-U traf ich nach ein französisch-deutsches Pärchen, die mit ihren Fahrrädern ein ganzes Jahr unterwegs waren und nun die letzten 300 km vor sich haben.
Weiter ging es dem Doubs entlang, bei der Polizeikontrolle durfte ich durchfahren (entgegenkommende Autolenker wurde angehalten), und etwas mehr als 10 km vor Besançon legte ich nochmals eine Schlafpause ein. Den Weg durch die Stadt zum Hotel fand ich auf direktem Weg dank MAPS.ME, und kurz vor 18 Uhr checkte ich ein. Es war natürlich ein Schlussaufstieg im Feierabendverkehr zu bewältigen, so dass ich mich zuerst erholen musste. Dann unter die Dusche, anschliessend alle nassen Sachen (inkl. Zelt) zum trocknen aufhängen, schlussendlich Handy und Laptop wieder aufladen. Aber wo ist der Reiseadapter, damit ich den Laptop einstecken kann? Oh, nein, der liegt zu Hause in der Schublade! Im Super-U von Baume-les-Dames hätte es sicher einen Adapter gegeben, aber wo könnte man so ein Ding („Adaptateur de voyage“ auf französisch) in Besançon kaufen? Google sagt: Im Westen der Stadt, dort schliessen die Geschäfte um 19.30 Uhr, also in 45 Minuten – heute nicht mehr zu schaffen. Vielleicht gibt es aber auch am Bahnhof gleich gegenüber was? Der Carrefour ist aber klein und hat nur Lebensmittel und Zeitschriften im Sortiment. Vielleicht auf der anderen Seite des Bahnhofs? Nein, da ist nichts zu sehen. MAPS.ME fragen – Elektrogeschäft kennt die App nicht, bei Lebensmittelgeschäft wird ein Intermarché in knapp 1.5 km Entfernung angegeben, Ankunft zu Fuss 19.20 Uhr. Als ich dort war, fand ich tatsächlich einen Reiseadapater – aber passt der auch, wenn man als Ausländer diesen in Frankreich benutzen will, oder ist der nur für Franzosen gedacht, die im Ausland ihre Elektrogeräte benutzen wollen?
Ich riskiere die 10 Euro, esse auf dem Rückweg kurz vor dem Hotel noch einen Teigwarengratin und kann anschliessend im Hotel feststellen, dass der Adapter für meine Zwecke funktioniert. So geht ein langer Tag erfolgreich zu Ende, morgen ist Ruhetag.


















