Wow, die zwei Ruhetage haben meinen Beinen echt gut getan! Ich hatte da heute mächtig Kraft drin, so dass ich in den Anstiegen entweder die grossen Gänge durchtreten konnte oder mit einem kleineren Gang mit hoher Kadenz hochfuhr. Und sogar der zeitweilige Gegenwind konnte mir wenig anhaben!
Bei trockenen Bedingungen fuhr ich um 07.15 Uhr los – und ich konnte sogar nur mit dem Kurzarmhemd über dem Thermo-Unterhemd losfahren. Ich hatte auch zwei unterschiedlich dicke Langarmhemden griffbereit bereitgelegt. Diese benötigte ich den ganzen Tag nicht – dafür nach dem Co-op Besuch die Regenjacke: Es regnete während zirka zwei Kilometern nochmals heftig! Ein Umstand, den sich in der Schweiz aufgrund der nächsten heranrollenden Hitzewelle wohl viele wünschen würden! Nun, ich muss mit ca. 25 Grad tieferen Temperaturen und feuchtem Wetter klarkommen…
Zu Beginn hatte ich noch schönen Rückenwind – aber ich wusste, dass ich nach knapp 30 Kilometern die Fahrtrichtung von Südost zu Südwest ändere und ich von dort aus den Wind im Gesicht spüren werde. Daher genoss ich diese Passage, die ich zuerst auf der Hauptstrasse und später auf dem Radweg Nr. 7 zurücklegte. Diesem Radweg folgte ich grundsätzlich den ganzen Tag – zwischen Clydebank und Paisley nahm ich jedoch eine acht Kilometer lange Abkürzung. Der Radweg geht fast bis in das Zentrum von Glasgow hinein und erreicht Paisley nach einem grossen Bogen erst nach 25 Kilometern. So fuhr ich nahe am Rollfeld des Glasgower Flughafens vorbei und sah die Flieger aus der Nähe starten und landen.
Ab Paisley folgte der Veloweg während vielen Kilometern mehrheitlich einer stillgelegten Bahnstrecke, wo ich auch zügig vorankam. In Lochwinnoch musste man aber vom Trassee weg hinunter an das Ufer vom Castle Semple Loch – und danach folgte ich bei einer Gabelung den falschen Radwegweisern. Ich bemerkte es glücklicherweise rasch und sah, dass ich auf der Hauptstrasse vor mir rechts abbiegen kann anstelle zurückzufahren. Nun, schlussendlich musste ich doch zurückfahren, denn der Radweg geht auf einem Viadukt über die Hauptstrasse…
Wenige Kilometer später war der Bahnradweg zu Ende, und ein Küstengebirge musste überwunden werden. Aber eben, die Beine wirbelten da wie wild! Eigentlich wäre es da bei diesen kleinen Anstiegen auch mal Zeit für eine Mittagspause gewesen, doch eine dunkle Wolke liess mich weiterfahren. Erst als ich mich in der leichten Abfahrt befand, traute ich mich nach Kilwinning bei einer Sitzbank anzuhalten – und kaum hatte ich Salat und Sandwich aus der Tasche gepackt, begann es zu regnen… Zum Glück nur ganz kurz und nicht heftig – und danach wärmte gleich die Sonne wieder leicht.
In Irvine erreichte ich die Küste – Firth of Clyde – und der Radweg folgte dieser mehr oder weniger. In Prestwick war der Radweg wirklich direkt neben dem Wasser – und der heftige Wellengang sorgte dafür, dass es da und dort auf den Rad- und Fussweg spritzte. Auch in Ayr folgt der Radweg direkt der Küstenlinie – den Kampf gegen Wind und Wasser wollte ich mir da aber nicht mehr antun und ich nahm eine etwas direktere Linie zwischen den Häuserschluchten.
Im letzten Co-op vor dem Campingplatz ging ich noch einkaufen, und von dort aus gab es drei mögliche Routen: Der Radweg Nr. 7 schied schon gestern Abend aus, denn da gibt es 200 Höhenmeter mehr zu erklimmen als auf den 17 Kilometern der Küstennähe entlang. Eben, Küstennähe: Wegen dem zu erwartenden Gegenwind vielleicht nicht die beste Idee? Organic Maps zeigte mir noch eine westlichere Alternative im Landesinnern mit identischer Distanz und Höhenmetern wie die Küstenroute – also nahm ich diese. Und vermutlich hatte ich da erst noch weniger Verkehr als der Küste entlang…
So traf ich schon gegen 17.00 Uhr beim Campingplatz ein – bei dieser Distanz bin ich davon ausgegangen, dass ich wesentlich länger unterwegs sein werde… Mein Platz ist etwas windgeschützt an der Sonne, so dass ich nach Zeltaufbau und Dusche gleich ins Zelt ging, wo es angenehm warm war. Als die Sonne hinter Wolken verschwand, habe ich aber rasch die Apsis geschlossen, um nicht zu frieren!
Bei der anschliessenden Planung für den morgigen Tag musste ich feststellen, dass es keine passenden Stellplätze für mein Zelt in jener Gegend gibt, wohin ich auf der Route kommen könnte. Daher werde ich morgen auf ziemlich direktem Weg nach Cairnryan fahren und auf der nächsten Insel nächtigen.



















