Wäre das Zelt heute morgen trocken gewesen, hätte mich das sehr verwundert. Gestern abend fuhr ich nämlich mit dem Velo in die Stadt, da ich keine Lust zum Kochen hatte. Dabei wurde der Himmel immer dunkler, und bei Pizza und Salat kamen nach Blitzen und Donnergrollen auch Regentropfen vom Himmel. Zuerst nur einige wenige, doch dann öffneten sich die Himmelsschleusen. Ich blieb unter dem Zeltdach relativ trocken, nur vom vom Boden aufspritzenden Wasser wurde ich immer wieder getroffen. Zum Dessert nahm ich noch eine Crêpe, danach wartete ich noch etwa 10 Minuten mit bezahlen. Der Regen hörte dann wieder auf, und ich konnte ohne nass zu werden zu meinem Zelt zurückkehren. Später zog dann nur noch eine kleine Gewitterzelle über den Zeltplatz hinweg.
Dennoch war das Zelt am Morgen schon zu einem grossen Teil wieder trocken, es wurde aber trotzdem auf die schwarze Packtasche draufgeschnallt. Die ersten Kilometer vom Weg bis zur Brücke über die Dordogne kannte ich bereits von gestern abend, und dann bog ich bald rechts ab zur ersten Steigung hinauf nach La-Chapelle-Saint-Géraud. Die hatte es schon mal in sich, und wenn man durch die Wolken fährt, werden die Kleider auch nicht trockener…
Danach fuhr ich in der Höhe weiter, bis ich mich in den Schlund der Cère hinunterstürzte. Auf der anderen Seite ging es 4km genau so steil wieder hoch, nur dass ich für diesen Abschnitt etwa 1 Stunde benötigte… Die Fahrt ging danach in der Höhe bei ständigem auf und ab weiter, meist auf einsamen Strässchen, einmal aber auch auf einem Waldweg. Da staunten die beiden Forstarbeiter nicht schlecht, als ich an ihnen vorbeifuhr…
Erst viel später kam die lange ersehnte Abfahrt, welche mich direkt nach Maurs hinunterführte – dem südlichsten Punkt meiner Route. Hier deckte ich mit ein paar weiteren Flüssigkeitsrationen ein, denn die verbleibenden 40 Kilometer nahm ich nicht ohne Respekt in Angriff. Schliesslich ging es durch eine weitere Schlucht, diesmal jene der Rance. 24 Kilometer ging es permanent bergauf, aber ich konnte dabei erstaunlich hohe Gänge durchtreten. Da half natürlich die gleichmässige Steigung, um die 400 Höhenmeter zu überwinden, aber auch der superfeine Asphaltbelag in der ersten Hälfte vom Anstieg.
Diese Strecke ist durchgehend für Radfahrer beschildert, und die Autofahrer werden immer wieder darauf aufmerksam gemacht, den Radlern Platz zu machen. Etwas seltsam kamen mir aber die etlichen Kilometer vor, wo die Strasse gerade einmal 3 Meter breit ist, aber trotzdem ein Mittelstreifen aufgemalt ist. Da musste ich mir mehrmals sagen, dass ich nicht auf einem Radweg bin, sondern auf einer ganz normalen Nebenstrasse. Und auf den Brutto 2.5 Stunden bis zum Kulminationspunkt gab es schliesslich auch mindestens 5 andere Verkehrsteilnehmer, die mich überholten oder mir entgegenkamen…
Runter ging es leider nicht mehr so gleichmässig, sondern war mit ein paar Gegensteigungen durchsetzt. Überglücklich war ich allerdings, als ich nach diesem langen Tag auf den Campingplatz rollen konnte!


















