Dienstag, 25.03.2014, 13:25 Uhr: Diese Velotour ist beendet.
Das schoss mir durch den Kopf, kurz nach einem kurzen „Nรคi!“ und einem langezogenen „Ou Nรครครครครครคiii!!!!!!“
Denn nach genau 40 Tageskilometern hatte ich im Aufstieg, welcher nach Algarinejo folgte, am rechten Fuss nur noch einen Teil vom Pedal am Fuss, ohne Verbindung zum Fahrrad – die Kurbel ist gebrochen!
Was nun? Es sind noch knapp 30 Kilometer bis Loja, die meisten davon hoffentlich bergab. Vielleicht hat es da einen Veloshop? Aber es ist die Seite, wo das Ritzel drauf ist – ob es da was passendes hat? Wohl kaum. Und wie komme ich dann nach Mรกlaga zurรผck? Mit dem Bus vielleicht – aber da habe ich mit dem Velo wohl zu sperriges Gepรคck. Mietwagen? Ob es in Loja eine Autovermietung gibt? Und was mache ich sonst die kommenden 3 Tage? Vielleicht mit dem Bus nach Mรกlaga ohne Gepรคck, dort am Flughafen ein Auto mieten, dann zurรผck nach Loja und meine Sachen nach Mรกlaga bringen?
Damit beschรคftigte ich mich die nรคchsten 2 Stunden, bis ich Loja erreicht hatte. Ja, es dauerte tatsรคchlich nur 2 Stunden! Zunรคchst konnte ich die verbleibenden paar hundert Meter nur mit dem linken Fuss hochpedalen, um dann mit der folgenden Abfahrt entscheidende Kilometer zurรผckzulegen. Ich musste dann zwar das Fahrrad noch zwei- oder dreimal schieben, doch beschrรคnkte sich diese Fortbewegung auf weniger als 5 Kilometer. Und mit 5 – 6 km/h war ich dabei noch schneller als sonst manchmal tretend auf dem Fahrrad… Sonst ging es jeweils bergab oder ich konnte das Velo mit einem Bein in Schwung halten.
Auf der letzten Abfahrt konnte ich zwar noch ein paar Blicke auf die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada werfen, doch ehrlich gesagt konnte ich mich nicht so recht daran erfreuen. Nur noch irgendwie nach Loja kommen…
Durch Loja schob ich dann eine Weile mein Fahrrad. Da noch Siesta war, waren die meisten Geschรคfte geschlossen, so wie auch die Touristeninformation, und Hotel konnte ich auch keines finden. Als ich dann nach 16 Uhr wieder an der Touristeninfo vorbei kam, waren die Tore geรถffnet und ich konnte mich nach Hotels und Veloshops erkundigen – und erhielt auch die Auskunft, dass es in Loja keine Autovermietung gibt.
Ich liess mir den Weg zu einem Hotel erklรคren und aufzeichnen, denn die Orientierung ist hier nicht ganz einfach. Der Ort ist an einen steilen Hang gebaut, wo die Strassen als Einbahnstrassen quer hindurch gehen. Verbindungsstrassen zwischen diesen Einbahnstrassen gibt es nur sehr wenige, so dass man sich an einem Ende vom Ort gut รผberlegen muss, wo man hineinfรคhrt. Am anderen Ende gibt es sowieso nur eine Mรถglichkeit. So fuhr ich zur eingezeichneten Verbindungsstrasse – doch diese war gerade gesperrt! Ein Kranwagen steckte da drin, und ich war nicht sicher, ob da gearbeitet wird oder ob er sich in der verwinkelten Strasse verkeilt hat.
Also suchte ich zuerst den Veloshop auf, denn der lag dann auf einer Alternativroute zum Hotel. Dort erhielt ich dann immerhin den Bescheid, dass er mir da mit einer neuen Garnitur helfen kann. Wow! Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet!
Ich erlรคuterte dann, dass ich zuerst in einem Hotel einchecken will und dann ohne Gepรคck zurรผckkomme. Laut den รffnungszeiten an der Tรผr hรคtte er ja sowieso noch geschlossen, dafรผr ist bis nach 20 Uhr geรถffnet.
So suchte ich mir durch die wirklich verwirrenden Strassen einen Weg hoch zum Hotel – und dieses war dann ausgebucht! Immerhin gibt es ein paar hundert Meter weiter noch eines, wo ich dann Unterschlupf fand. Ich schmiss dann rasch das Gepรคck ins Zimmer und fuhr zurรผck zum Veloshop.
Dort ging dann die Suche nach einer passenden Kurbel los, da mein Fahrrad vorne mit 46 Zรคhnen angetrieben wird und die vorgesehene Ersatzgarnitur mit 50/34 Zรคhnen ausgerรผstet ist. Ich schlug schon vor, die Kette passend zu den 34 Zรคhnen zu kรผrzen, bis im allerletzten Schrank doch noch eine Garnitur mit 46 Zรคhnen lag. „De Segundo Mano“, aber sie passt! So kann diese Velotour doch noch fortgesetzt werden!
Kurz nach 18 Uhr war ich dann erschรถpft, aber รผberglรผcklich wieder im Hotelzimmer und gรถnnte mir zuerst einmal einen ganzen Liter Fruchtsaft. Und nach einer Dusche hatte ich dann auch noch Musse, einen Blick auf die ersten 40 Kilometer vom Tag zu werfen. Da habe ich mich nรคmlich das eine und andere Mal รผber meine ungenaue Karte in diesem Gebiet geรคrgert. Zuerst wurden mal 5 Kilometer unterschlagen, und dann gab es Las Lagunillas zwei eingezeichnete Abzweigungen nach Algarinejo gar nicht. Dafรผr war ich dann erstaunt, als eine Abzweigung vor mir auftauchte, die so nicht auf der Karte ist…
Da ich auf den ersten 20 Kilometer einige Hรถhenmeter erklommen hatte, konnte ich dann nach Algarinejo รผber 10 Kilometer den Berg hinunterrollen. Nach Algarinejo ging es dann aber wieder lange den Berg hoch, bis das einleitend beschriebene Malheur passierte.
Und dann war da ja noch das Erlebnis bei der Mittagspause. Nach dem Essen stellte ich mich kurz an den Wegesrand. Da begann es dann am linken Bein zu kribbeln, und als ich hinunterschaute und sah, dass der untere Teil vom Unterschenkel ganz schwarz ist, machte ich rasch einen Satz zur Seite, zog den Schuh aus und streifte die unzรคhligen Ameisen von Bein, Socke und Schuhe. In solchen Situationen ist es von Vorteil, dass ich meine Beine nicht rasiere, denn so konnten diese Viecher gar nicht bis zur Haut vordringen. Infolge dieses รผberraschenden Unterbruchs musste ich mit feuchten Hosen weiterfahren…
Also ein Tag mit viel Action! Da hoffe ich, dass es morgen wieder ein bisschen ruhiger wird!


















