Di 16.12.2008 | El Calafate

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11.12.2008 – 16.12.2008

  • El Calafate
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  • Hostel

11.12.08, 0 km
Der heutige Tag war mit diversen Aufgaben und Arbeiten ausgefรผllt โ€“ und am Abend gab es noch ein unverhofftes Vorweihnachtsgeschenk! Doch alles der Reihe nach…

Nach dem anstrengenden Vortag schlief ich aus und ging erst um 8 Uhr zum Frรผhstรผck. Danach war wieder mal Velopflege angesagt, denn von den Schotterstrassen ist einiges an Staub und Dreck hรคngen geblieben. Als dann wieder die schwarze Farbe zu sehen war, fuhr ich zum Velomechaniker im Dorf, damit alle Schrauben durchgecheckt und die beweglichen Teile grรผndlich eingeรถlt werden konnten.

Bis ich das Rad um 16 Uhr wieder abholen konnte, verbrachte ich die meiste Zeit im Internet-Cafรฉ. Zuerst war wieder mal die Homepage zu aktualisieren, und nach dem spรคten Mittagessen kreierte ich noch das Weihnachtskรคrtchen fรผr dieses Jahr. Das wird dann gemailt, bevor ich El Calafate verlasse. Danach kรถnnte es fรผr lรคngere Zeit keine Internet-Verbindung mehr geben auf meinem Weg. Es ist aber schon komisch, mit kurzen Hosen herumzulaufen und an Weihnachten zu denken. Und die Weihnachtsbรคume passen irgendwie auch nicht zu den Temperaturen. Aber dafรผr ist ja die ganze Schweiz wieder mit Schnee beglรผckt worden…

Im Hostel wurde am Abend mein Name ausgerufen. Und als ich an die Reception kam, stand da ein Bote mit einem Paket fรผr mich! Da hat bei DHL doch noch ein Transport in vernรผnftiger Zeit abgewickelt werden kรถnnen… Wie oft der Inhalt der Lieferung wohl kontrolliert wurde? Die Teile waren jedenfalls nicht mehr originalverpackt, sondern steckten in einem aufgerissenen Beutel der argentinischen Airline. Immerhin war die Lieferung gemรคss Lieferschein komplett und nichts defekt. Nun kann ich morgen Abend die Reparatur einleiten โ€“ kurz zuvor hatte ich fรผr morgen einen Tagesausflug zum Perito Moreno-Gletscher gebucht.

12.12.08, 0 km
Mit etwas weniger Schlaf als sonst รผblich habe ich mich heute aus dem Bett gewรคlzt, denn gestern Abend habe ich mich noch lange mit Mirjam und Andreas unterhalten. Beide kommen aus Deutschland, wobei Mirjam Sรผdamerika wรคhrend 4 Wochen per Bus und zu Fuss erkundet. Andreas hat ein paar wenige Tage mehr zur Verfรผgung, fรคhrt auch viel Rad und hat an einer gefรผhrten Biketour teilgenommen. Nun stehen noch ein paar weitere Destinationen Sรผdamerikas ohne Velo auf dem Programm.

Um 8 Uhr startete dann die alternative Tour zum Perito Moreno-Gletscher. Mit dem Bus ging es รผber die alte Landstrasse Richtung Gletscher, und neben der Landschaft unterhielt uns auch die Tierwelt. ร‘andus habe ich vom Fahrrad ja schon ein paar gesehen, doch bei einem Bus verhalten die sich nicht gleich: Kilometerlang betรคtigte sich ein Exemplar als Road Runner und rannte vor dem Bus her. Spรคter sahen wir dann Kondore um einen Hรผgel kreisen, die dort wohl ihr Frรผhstรผck ausgemacht hatten…

Der Perito Moreno-Gletscher war dann natรผrlich auch eindrรผcklich. Eine bis zu 60 Meter hohe, schneeweisse Eiswand, die da auf mehreren Kilometern Breite in den Lago Argentino hineindrรผckt. Dies ist einer der wenigen Gletscher, die derzeit nicht auf dem Rรผckzug sind. Tรคglich wรผrde gleichviel neues Eis gebildet, wie zuvorderst an der Zunge ohrenbetรคubend ins Wasser stรผrzt. Nach einer Besichtigung des Gletschers im Laufstall (der Pfad verlรคuft vollstรคndig auf Gitterrost und ist mit einem deutlich รผber 1 Meter hohen Gelรคnder versehen) ging es noch auf einen einstรผndigen Bootstrip direkt vor der Abbruchkante durch. Da musste man dann krรคftig hochschauen, um die oberen Zacken zu sehen…

Zurรผck in El Calafate ging ich dann mit Fahrrad und Ersatzteilen wieder ins Fahrradgeschรคft. Am Montag kann ich dann wieder einen Blick aufs Velo werfen…

13.12.08, 0 km
Den heutigen Tag bin ich gemรผtlich angegangen: Ausschlafen bis 8.30 Uhr, gemรผtlich frรผhstรผcken, und dann auf ein Sofa sitzen und lesen. Letzteres ist aber nicht ganz ohne, da ich derzeit „Alibi Club“ von Francine Mathews auf Spanisch lese. Auf den ersten etwa 60 Seiten hatte ich รผberhaupt keinen Durchblick, da fast jedes Kapitel von einer anderen Person handelte und ich dann jeweils herausfinden durfte, ob das jetzt Mรคnnlein oder Weiblein ist โ€“ bzw. Den Namen im Text รผberhaupt finden… Dann kam die Phase, wo ich bei Szenenwechsel dann nicht mehr wusste, was die Person fรผr einen Hintergrund hat… So wie ich von Ushuaia langsam vorwรคrts komme, geht es auch im Buch voran โ€“ heute bin ich aber schon bis auf Seite 180 vorgestossen und die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen kann ich nachvollziehen und auch erkennen, wenn wieder jemand neues in der Handlung auftaucht…

Nach dem Mittagessen habe ich dann meine Kleider gewaschen und schlenderte dann durchs Dorf. Dabei habe ich mir auch ein Eis gegรถnnt โ€“ betreffend Eissorten, Geschmack, Konsistenz und Portionengrรถsse wurde da alles in den Schatten gestellt, was ich bisher in dieser Beziehung gesehen und genossen habe. Hoffentlich bleibt es die nรคchsten Tage so warm, damit ich Grund genug habe, weitere Sorten durchzuprobieren…

Wie gestern Abend und heute Mittag gab es zum Nachtessen wieder Teigwaren an einer Hackfleisch-/Tomatensauce. Morgen Abend gibt es dann die letzte Portion, denn Hackfleisch wird hier zu Portionen von ca. 1 kg verkauft โ€“ und dann brauche ich halt ein paar Mal, bis ich dies verdrรผckt habe… Bei diesen 4 Mahlzeiten habe ich dann Fleisch fรผr ca. CHF 2 gegessen…

14.12.08, 0 km
Fรผr heute hatte ich nochmals eine Gletscherbesichtigung gebucht. Um 7 Uhr ging es mit dem Bus Richtung Nationalpark, und um 9 Uhr legte der Katamaran ab. Zuerst ging es zum Uppsala-Gletscher, dem angeblich voluminรถsesten in dieser Region. Die Zufahrt zum Gletscher blieb uns allerdings verwehrt, da kรผrzlich grosse Stรผcke vom Gletscher abbrachen und nun als Eisberge eine undurchdringliche Blockade beim Fjordeingang bilden. Die bizarren Formen der Eisberge waren aber auch ein ganz schรถner Anblick.

Es ging dann weiter zum Spegazzini-Gletscher, welcher mit einer Front von bis zu 130 Meter Hรถhe aus dem Wasser ragt โ€“ gewaltig! Deutlich waren aber die Spuren zu erkennen, dass der Gletscher auf dem Rรผckzug ist: Zwischen Eis und Vegetation gab es einen breiten Streifen nackten Fels.

Da der Uppsala-Gletscher ausgefallen war, steuerte der Kapitรคn noch den Perito Moreno-Gletscher an. Den hatte ich zwar am Freitag schon gesehen, war aber wiederum beeindruckend! Nach so viel Eismassen habe ich mir zurรผck in El Calafate natรผrlich gleich einen leckeren Eisbecher einverleibt…

Sowohl im Dorf wie auch im Hostal ist immer wieder schweizerdeutsch zu hรถren โ€“ diese Sprache ist anscheinend weltweit verbreitet… Wenn alle im Ausland herumreisenden Schweizer am gleichen Tag heimkehren wรผrden und die weltweit verfรผgbaren Flugkapazitรคten tatsรคchlich ausreichen wรผrden, kรถnnten die Flughafen von Basel, Genf und Zรผrich das Volumen wohl kaum aufnehmen…

15.12.08, 0 km
Den Morgen verbrachte ich lesend im Hostal. Dabei hat es auch kurz mal geregnet โ€“ zum ersten Mal seit der Fahrt nach Puerto Natales. Rasch kam aber wieder die Sonne und trocknete alles im Nu. Zum Mittagessen nahm ich ein โ€žTenedor Libreโ€œ und ass mich satt. Dann habe ich noch die nรคchste Publikation auf der Homepage vorbereitet. Den Text durfte ich dabei zweimal schreiben, da der Computer genau dann abstรผrzte, als ich alles geschrieben hatte…

Spรคter ging ich dann in die Bicicleterรญa um zu schauen, ob das Fahrrad repariert ist. Leicht enttรคuscht musste ich feststellen, dass erst das Hinterrad ausgebaut wurde. Eduardo befรผrchtete, dass er etwas abwรผrgen kรถnnte, wenn er versucht, die Schraube zu lรถsen. Gemรคss Bild im Handbuch sollte dies aber kein Problem sein, und ich gab ihm das OK, weiterzumachen โ€“ wobei er da gerade keine Zeit hatte. Kaum zurรผck im Hostal bekam ich einen Anruf von Eduardo, dass es das beste wรคre, wenn ich rasch vorbeikommen wรผrde. In der Befรผrchtung, dass jetzt etwas kaputt ist, eilte ich zu seinem Geschรคft. Eduardo zeigte mir dann, dass er die Schraube lรถsen konnte. Um das Ritzel abzuziehen war aber ein Werkzeug nรถtig, das er nicht hat โ€“ er kรถnne aber morgen versuchen, etwas passendes aufzutreiben. Nach dem Schreck marschierte ich in die Heladerรญa…

Beim Eis schlemmen schoss es mir dann plรถtzlich durch den Kopf: Habe ich nicht beim Auspacken ein Ding gesehen, dessen Zweck mir unbekannt war, aber genau in diese 4 Lรถcher passen kรถnnte? Ich lief zurรผck zu Eduardo, klaubte das kleine Metallstรผck aus dem Beutel โ€“ und es war tatsรคchlich das notwendige Werkzeug! So kann die Reparatur weitergehen…

Beim Nachtessen im Hostal gab es ein Schweizer Treffen. Neben den 3 Schweizern, die ich gestern schon gesehen habe (und die aufgrund meiner Fotos morgen den Bus nach Punta Arenas und zur Isla Margarita nehmen werden…), kreuzte sich mein Weg wieder mit Julie und Florian. Diese waren auch auf dem Schiff ums Kap Hoorn herum und waren schon Ende letzter Woche in El Calafate. Nach wenigen Tagen El Chalten kehrten sie nun wieder zurรผck, da es von dort aus keine andere Busverbindung gibt…

16.12.08, 0 km
Vormittags habe ich das Buch zu Ende gelesen. Fรผr einen Thriller fehlten mir รผberraschende Wendungen gegen Schluss – oder wenigstens ein imposanteres Ende als dieses Fade-Out. Nun, mal schauen, wie ich mit dem da Vinci-Code auf Spanisch zurechtkommen werde…

Am spรคteren Nachmittag stand ich dann wieder in der Bicicleterรญa. Dort sah ich schon mein Rad stehen – aber immer noch mit dem alten Nabengehรคuse. Eduardo hat kapituliert und das Rad wieder zusammengebaut. Nun fahre ich halt so weiter und werde jeweils in grรถsseren Ortschaften nach einem Velomechaniker Ausschaue halten, der sich nicht zu fein ist, dass ich ihm helfe und mindestens das Handbuch รผbersetze…

Etwas misstrauisch machte mich, dass Eduardo fรผr die aufgewendete Zeit nichts verrechnete. Bei der Fahrt ins Hostal konnte ich aber glรผcklicherweise keinen eventuellen Schaden feststellen!

El Calafate, 16.12.2008
Gesamtkilometer: 6849


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