Mein Track verliess Lavagna zwischen Eisenbahnlinie und Mittelmeer – und ging nach wenigen Kilometern über einen Sandstrand. Mein Fahrrad sackte tief in den Untergrund ein und ich schon ein paar wenige Meter. Danach schaute ich, ob es zehn Meter weiter wieder auf asphaltierten Untergrund weitergeht, was aber nicht der Fall war. Daher kehrte ich um und fuhr zurück, bis ich zu einer Unterführung der Eisenbahnlinie kam und auf der Via Aurelia weiterfahren konnte. Dort hatte es auch einen Radstreifen, und in meinen Schuhen knirschten die Sandkörner…
Nach der Durchfahrt von Sestri Levante stieg die Strasse zunächst ganz sanft an, aber nach ein paar weiteren Kilometern wurde es steiler – und zwar deutlich steiler als gestern! Manche Abschnitte waren im zweistelligen Prozentbereich, die ich da zu bewältigen hatte. So war die Autobahn, die ich zu Beginn weit über mir an der anderen Talseite gesehen habe, bald weit unter mir…
Kurz bevor meine Route in eine andere Strasse einmündete, die ebenfalls von Sestri Levante herkam, machte ich eine kurze Pause und studierte auf dem Smartphone Route, Höhenprofil und Zeit. Da entschloss ich mich, von der geplanten Route abzuweichen und auf direkterem – und flacherem Weg nach La Spezia zu fahren. Weitere 1’500 Höhenmeter werde ich heute nicht stemmen können, dafür habe ich auf den ersten 500 Höhenmetern zuviel Kraft investiert. Was ich bei dieser Pause nicht bemerkte war, dass meine Ellbogen offenbar direkt über meinen Schuhen platziert waren, als ich diese auf dem Fahrradlenker abstützte. Als ich wieder weiterfuhr, waren die Schuhe mit Schweiss vollgelaufen und gaben bei jedem Tritt entsprechende Geräusche…
Der letzte Teil des Anstiegs zum Passo del Bracco war zwar nicht mehr so steil, aber viel rascher kam ich trotzdem nicht vorwärts. Die Höhenluft ist halt dünn auf 600 Metern über Meer!!! Auch auf der Abfahrt ging es zunächst sehr gemächlich voran, biss sich die Strasse etwas stärker gegen unten neigte. So konnte ich in etwas tieferen Höhenlagen meinen Campingstuhl in einer Kurve mit Parkplatz auspacken und das Mittagessen einnehmen. Und heute konnte ich wieder mal unbelästigt von Fliegen einen Mittagsschlaf machen!
Nach der Mittagspause ging es weiter talwärts, bis hinauf nach San Benedetto der vermeintliche Schlussanstieg auf mich zukam – nun wieder mit moderateren Steigungsprozenten. Nach einer kurzen Abfahrt ging es aber nochmals hinauf, denn im letzten Augenblick sah ich, dass ich dem linken Wegweiser nach La Spezia folgen muss, beim rechten Wegweiser kommt weiter unten ein Tunnel. Dafür konnte ich die Schlussabfahrt in La Spezia hinein besonders geniessen, denn es hatte einige herrliche Haarnadelkurven.
Das Hotel im Zentrum hatte ich relativ rasch gefunden – nach einem Fahrfehler bei einem Kreisel und dem entsprechend langsamen Durchfahren einer Fussgängerzone. Hier nahm ich die Planung für die nächsten Tage vor, unter Berücksichtigung vom Wetterbericht. Es wird in den nächsten Tagen nass und ich werde daher eine Pause einlegen. Es stellte sich aber die Frage, ob ich die Ruhetage auf Pisa und Florenz aufteilen soll oder nur in Florenz etwas länger verweilen werde. Ich entschied mich nun für eine Nacht in Pisa und anschliessend bis Donnerstag in Florenz zu bleiben. Bei der Bewältigung der Strecke zwischen diesen beiden Städten kann es durchaus sein, dass ich etwas feucht werde; in Pisa ist der Regen ab Sonntag angekündigt, in Florenz ab Dienstag. Zudem suchte ich noch nach Handy-Reparaturläden in Florenz, welche das defekte Display ersetzen können; leider habe ich von den angeschriebenen Shops noch keine Antwort erhalten.
