Das Velo konnte ich über Nacht in eine abgeschlossene Garagenbox stellen. Als ich es heute Morgen wieder herausholte, hat mir der Schädel mächtig gebrummt… Ich hatte das Klapptor nach oben vollständig geöffnet und nicht bemerkt, dass es dadurch hinten wieder etwas herunterkommt. Als ich das Fahrrad hinausschob, war das Tor meiner Stirn im Weg… Glücklicherweise traf ich nicht die Kante, sondern die ganze Metallschiene; so spüre ich nun nur noch eine Beule. Und der Aufprall hatte sowieso einen hohlen Klang mit grossem Echo zur Folge, so dass hinter der Stirn nichts beschädigt werden konnte…
Die grössten Anstiege gab es auf der ersten Streckenhälfte, bis ich Italien erreicht hatte. Gleich ausgangs von Nizza war der steilste zu bewältigen, auf der Serpentinenstrasse konnte ich mangels weiterem Verkehr die ganze Strassenbreite für mich nutzen. Danach gab es auf der Hauptstrasse zwar mehr Verkehr, aber meistens auch eine Velospur für mich. Und plötzlich fuhr ich an einem weiss gekleideten Polizisten vorbei, der da auf einem Kreisel stand und den Verkehr beobachtete – Huch, ich bin ja schon in Monaco!
Von Monaco kannte ich nur den Tunnel, der jeweils von der Formel 1 durchfahren wird – den hatte ich ja auch 1999 auf meiner Europa-Tournee befahren. Vom kürzlichen Vuelta-Zeitfahren wusste ich, dass es noch mehr Tunnels geben müsste; ja, von Monaco habe ich heute nicht viel gesehen, weil ich oft in irgend einem Tunnel steckte… Mir scheint, Monaco ist durchlöchert wie ein Emmentaler Käse, und an der Oberfläche reiht sich ein Hochhaus ans nächste!
Am anderen Ende von Monaco stand eine weissgekleidete Polizistin am Kreisel, wo es weiter nach Menton und somit zurück nach Frankreich geht. Der französische Abschnitt war aber von kurzer Dauer, und schon war ich im nächsten Land: Italien! Gleich nach der Grenze sah ich wieder einen Tunnel auf mich zukommen und ich befürchtete, dass da ein Veloverbotsschild steht und ich irgendwie einen anderen Weg suchen muss – dies aufgrund von Erfahrungen von früheren Velotouren in Italien. Aber nichts da! Kein Verbotsschild und ein anderer Radfahrer kam mir gerade aus dem Tunnel entgegen – und das war auch bei den nachfolgenden Tunnels nie ein Problem!
Nachdem ich in Monaco weniger Höhenmeter als geplant erklommen hatte – ich hätte bei einem Kreisel in einem Tunnel die erste Ausfahrt nehmen sollen, nahm aber die zweite und fuhr im Tunnel weiter – habe ich diese nach Ventimiglia nachgeholt; bei Ospedaletti habe ich offensichtlich den Abzweiger von der Hauptstrasse zum Radweg übersehen und sah den Radweg erst zwei Kuppen später, als er parallel zur Hauptstrasse kam. Von nun an fuhr ich auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke mit entsprechend wenigen Höhenmetern – nur der Gegenwind sorgte dafür, dass ich nicht allzu schnell wurde! Dafür gab es viele Tunnels, und jene vier in Imperia werden sogar mit Musik beschallt! Beim Letzten musste ich allerdings nach wenigen Metern umkehren und mir eine Weiterfahrt durch die Stadt suchen, weil er diese Woche saniert wird. Dabei zeigte sich, dass mich mein Gefühl getäuscht hat: Ich hatte den ganzen Tag den Eindruck, dass ich nur langsam vorankomme. Als ich aber in den Strassenschluchten von Imperia mit dem motorisierten Verkehr mithalten konnte, wusste ich, dass mein Tempo in Ordnung ist!
In Diano Marino hat mir Organic Maps zwei Supermärkte angegeben, einer davon in unmittelbarer Nähe zum Hotel, das ich während der Mittagspause in Ventimiglia gebucht hatte. Ich überlegte noch, ob ich zuerst zum Hotel fahren und danach einkaufen soll, entschied mich aber glücklicherweise dagegen: Dort gibt es keinen Supermarkt mehr! Der andere war zum Glück nicht weit, und ich habe mich mit dem Nötigsten eingedeckt.
Im Hotel habe ich gleich noch das Abendessen und für morgen das Frühstück gebucht. Danach das Gepäck und das Fahrrad im Zimmer untergebracht, geduscht und Kleider gewaschen. Anschliessend habe ich mein Ersatzhandy hervorgenommen und dieses aktualisiert. Als ich in Montauroux die Route für den nächsten Tag plante, entstand plötzlich ein schwarzer Fleck in der rechten unteren Ecke des Handy-Displays. Offenbar hat das Display einen Schaden genommen. Während des heutigen Tages entstand auch ein Ausfall auf der ganzen Länge der linken Seite, zirka fünf Millimeter breit, sowie eine horizontale Linie im unteren Bereich. Daher werde ich auf das Ersatzhandy wechseln, bevor die Anzeige komplett ausfällt.
