Fr 09.10.2026 | Avignon – Pont Royal

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Via

  • Villeneuve-les-Avignon
  • Beaucaire
  • Tarascon
  • Saint-Étienne-du-Grès
  • Saint-Rémy-de-Provence
  • Mollégès
  • Orgon

Infos

  • 104 km
  • 5:33 h
  • 5.5 l
  • Appartement
  • Pierre & Vacances Village Club Pont Royal en Provence
  • EUR 70.10

Strava

Gestern Abend kam der Mistral und wehte die Regenwolken weg, heute gab es daher kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Glücklicherweise fuhr ich grundsätzlich in Windrichtung – aber der Radweg machte bis Beaucaire einen Zickzack-Kurs, weshalb man auch flussaufwärts nicht direkt in den Gegenwind radeln musste. Der heftige Wind – auf wunderground.com wurden Geschwindigkeiten von über 40 km/h angekündigt – war aber auch kalt, weshalb ich nebst Thermounterhemd auch das blaue Langarmtrikot anzog. Erst um 14.00 Uhr konnte ich das Langarmtrikot mit dem Kurzarm-Shirt austauschen.

Kurz vor 09.00 Uhr fuhr ich los, zuerst in Avignon nochmals der Stadtmauer entlang. Auf derselben Brücke wie am Dienstag, als ich in die Stadt hineinfuhr, ging es auch wieder hinaus. Damals hatte ich jedoch nur die halbe Brücke befahren, da ich auf der Île de la Barthelasse (der grössten Flussinsel Frankreichs) auf die Brücke fuhr. Heute überquerte ich die ganze Brücke, denn der Radweg ging am rechten Rhoneufer weiter.
In Aramon habe ich einen Wegweiser falsch interpretiert, weshalb ich in eine Sackgasse fuhr und nach wenigen Metern wieder wenden musste. Dabei hatte ich das Gefühl, dass mir das bereits 2019 an dieser Stelle passiert ist – am Abend zeigte jedoch die Überprüfung der Tracks, dass ich damals an dieser Stelle keinen Navigationsfehler gemacht hatte. Ich fuhr schon so oft in eine Sackgasse, dass ich das wohl mit einem anderen Ort verwechselt habe!

Ich wusste aber noch, dass vor Beaucaire noch ein Bahnradweg-Abschnitt kommen wird! Der war aber viel kürzer, als ich ihn in Erinnerung hatte… Vielleicht lag es auch daran, dass dieser Abschnitt in südöstlicher Richtung verlief und somit genau in Windrichtung!

In Beaucaire verliess ich die ViaRhôna und fuhr über die Brücke hinüber nach Tarascon. Die Strecke vom Radweg zur Brückenüberquerung ist immer noch genau so umständlich wie vor sieben Jahren, als ich in Tarascon übernachtet habe: man kommt zwar mit dem Radweg am Brückenfuss an, wegen Einbahnstrasse muss man aber zuerst ein paar Hundert Meter von der Rhonebrücke wegfahren, auf einer kleineren Brücke einen Kanal überqueren und erst dann kann man auf der anderen Seite des Kanals zurück zur Brücke und auf die Brücke fahren (oder links abbiegen und nochmals eine Runde drehen…).

Tarascon habe ich rasch hinter mir gelassen und in Saint-Étienne-du-Grès fand ich im Zentrum eine Parkbank an der Sonne, wo ich mich zum Mittagessen hinsetzte. Dabei habe ich auch gleich noch die Tagesetappe um 20 Kilometer verlängert und die Übernachtung gebucht. Eigentlich wollte ich auf dem Campingplatz von Orgon übernachten, aber dort wäre ich schon am frühen Nachmittag angekommen – meine Beine verlangten heute nach mehr!

Als ich wieder losfahren wollte, habe ich noch einen Stein mit der Beschriftung „Via Domitia“ gesehen. Wie sich herausstellte, war das die erste in Gallien erbaute Römerstrasse. Ich fuhr nun also auf einem Strassenabschnitt, der vor über 2’100 Jahren angelegt wurde! Allerdings nicht lange, denn es ging bald auf das Trassee einer stillgelegten Eisenbahnstrecke – und Eisenbahnen kannten die Römer noch nicht…

Ab Tarascon folge ich für ein paar Tage der Veloroute 8, wobei ich mir ein paar Abweichungen erlaube. Ich bin nicht so auf Höhenmeter erpicht wie die Streckenplaner der Mittelmeer-Route. Die erste nahm ich in Mollégès, um via Orgon nach Pont Royal zu kommen. Ich folge lieber weiter dem Flusslauf der Duran, anstelle einen Umweg über gebirgiges Gebiet zu nehmen!

Hat schon jemand von der Ortschaft Orgon gehört? Ich nicht – und ich war fasziniert! Die enge Altstadt ist nicht gross, aber auf beiden Seiten gibt es ein schönes Stadttor und im Zentrum eine hübsche Kirche. Das ganze ist an ein Gebirge gelehnt, zuoberst befindet sich noch eine Kirche – und hinter der Altstadt bilden die Felsen eine senkrechte Wand! Dort gibt es zudem einen kleinen See, der von den steilen Felswänden umsäumt wird – einfach herrlich! Und weil kaum jemand diesen Ort kennt, gibt es wohl auch in der Hochsaison nur wenige Touristen…

Es folgten nun die 20 Extra-Kilometer zur gebuchten Unterkunft, und mit der flachen Strecke und Rückenwind war ich trotz Foto-Stopps bald auf den letzten Kilometern. Das gebuchte Appartement befindet sich in einem Feriendorf, und dessen Gelände mit Zutrittsschranke beginnt schon weit vor den Gebäuden – schliesslich muss der Golfplatz auch genug Platz haben… Es folgte noch ein kurzer Anstieg, bevor ich das Feriendorf sehen konnte – und das war ziemlich beeindruckend! Ich fuhr zur Rezeption, aber da war gerade eine grosse Schar von Leuten am Einchecken – deutlich mehr als 100 Personen in vier Reihen! Ich setzte mich in einen Sessel und wartete, bis diese Seminarteilnehmer abgefertigt waren. Danach bekam ich die Schlüssel für mein Appartement im Haus Aiguier (es gibt über 20 Wohnhäuser in diesem Ferienresort). Zudem drückte mir die Rezeptionistin einen Plan der Anlage in die Hand und zeigte mir den Start des kurzen Weges zum Gebäude. Ich ging zuerst zu Fuss und nahm nur die Lenkertasche mit – und es wurde rasch klar, dass ich da mit dem beladenen Fahrrad niemals durchkommen werde! Die Pfade sind eng, und – noch schlimmer – es hatte etliche Treppenstufen. Es gab schon einige Seminarteilnehmer, die nur mit Mühe ihre Rollkoffer die schmalen Rampen hinaufziehen konnten…

Als ich das Gebäude erreicht hatte, sah ich auf der abgewandten Seite, dass dort Autos stehen – also kann man sicher auch mit dem Fahrrad bis vor die Treppe zum ersten Stock fahren! Ich ging ein paar Schritte der Gasse entlang, die zum Gebäude führt, und fand dabei die Verbindung zum Strässchen, welches auf der Karte um das Feriendorf herum eingezeichnet ist. So lief ich zurück zum Velo und fuhr damit vor das Gebäude. So konnte ich das Gepäck und das Fahrrad rasch im Appartement verstauen.

Zum Appartement gehört auch ein grosser Balkon. Mit dem Mistral und der Abendsonne war es mir aber zu kühl, um an der frischen Luft zu sitzen. Aber das macht nichts, schliesslich war ich heute wieder etwa sieben Stunden draussen. So hat mein Velo den Balkon für sich alleine…


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