Der Regen hörte gestern Abend erst um 20.00 Uhr auf, doch auch danach nieselte es immer wieder. Da zudem kein Lüftchen wehte, konnte nachts auch nichts trocknen. Aufgrund der warmen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit fuhr ich daher heute morgen im feuchten Kurzarmhemd los – jedes andere Kleidungsstück wäre innert Kürze genauso nass gewesen!
Zuerst ging es mehrheitlich wieder bergab, schliesslich gab es gestern Abend eine kleine Bergankunft… Als ich die Rhone wieder erreicht hatte, musste ich aber kurz anhalten und das Rücklicht einschalten, denn es hatte Nebel.
Als ich im April 2019 die ViaRhôna von Genf bis ans Mittelmeer fuhr, war die Strecke zwischen Lyon und Vienne noch provisorisch. Mittlerweile ist nur noch die erste Hälfte davon provisorisch, nun aber mit einer anderen Routenführung – und die hatte es in sich! Ich hoffe, ich werde nicht allzu lange daran erinnert, denn dort gab es den ersten Sturz auf dieser Tour. Nach einem grottenschlechten Schotterabschnitt und einem harten, kurvenreichen Anstieg – immerhin auf Asphalt – kam eine sanfte Abfahrt, und hinter einer Ecke galt es, eine Barriere zu umzirkeln, bevor es abrupt auf einer steilen Schotterpiste wieder hochging. Mit den schweissnassen Händen schaffte ich das Runterschalten nicht mehr, und die Schuhe liessen sich in der Schnelle auch nicht mehr von den Klickpedalen trennen. Ich liess mich daher fallen und rollte mich ab, so dass ich praktisch unverletzt geblieben bin. Einzig der linke Fussrist schmerzte etwas, Fahrradfahren war aber fast schmerzfrei möglich; ich musste lediglich im Wiegetritt etwas aufpassen. Eine andere Sache war aber das Laufen am Abend, das eher ein Humpeln war. Und auf dem Campingplatz sind die Toiletten ziemlich weit entfernt – ich hoffe, das eingeschmierte Voltaren bringt da rasche Linderung!
Ab Givors war der Radweg wieder perfekt und ich musste die Karten-App selten zücken, damit ich den Weg finde. Dabei war ich erstaunt, wie viele andere Tourenradler um diese Jahreszeit auch unterwegs sind – neben den Sonntagsfahrern natürlich. Vor der Mittagspause fuhr ich für ein paar Kilometer mit einem österreichischen Pärchen, welches ihre Tour in Andermatt startete. Und auf dem Campingplatz unterhielt ich mit Niel aus Australien, dessen dreimonatiger Aufenthalt bald endet. In zwei Tagen will er auf dem Campingplatz sein, auf dem ich gestern Nacht war, danach geht es nach ein paar Tagen in Paris zurück nach Hause für ihn. Er musste dieselbe Recherche betreiben wie ich letzte Woche: Welche Campingplätze haben noch offen? Manche schliessen Mitte September, manche anfangs Oktober, manche Ende Oktober. In Australien seien die Campingplätze ganzjährig geöffnet.
Der Campingplatz war für Wohnmobile ausgebucht (ich glaube, jener von gestern auch – also warum haben so viele Plätze schon geschlossen?!?), für ein Zelt gab es aber noch zwei freie Plätze. Ich wählte den sonnigeren Platz, damit mein Zelt und die Kleider möglichst rasch trocknen. Danach kümmerte ich mich ums Fahrrad und befreite dieses vom Schmutz, der sich vor allem gestern angesammelt hatte. Dabei habe ich eine Schaube am Gepäcksträger gesehen, die schon fast rausgedreht war – die hätte ich wohl bald verloren! Aufgrund der Feuchtigkeit gönnte ich auch der Kette eine Reinigung und eine neue Ölung. Erst danach ging es zur Dusche und Voltaren-Pflege. Für Letzteres setzte ich mich aber in den Schatten, denn es ist wieder unglaublich warm geworden!
