Gestern hat es weniger heftig geregnet als angekündigt, „nur“ etwas mehr als zwei Stunden um die Mittagszeit. Ich habe aber den ganzen Tag mit der Streckenplanung bis zum 27. September verbracht, und anschliessend darüber hinaus für die kommenden Monate. Diese Planung wurde heute etwas mit einem Stiefel getreten, denn ich übernachte nicht auf dem anvisierten Campingplatz…
Heute Morgen war es ziemlich frisch, weshalb ich mir mit packen und frühstücken etwas Zeit liess und erst gegen 08.30 Uhr losfuhr – dafür bereits im Kurzarmhemd. Es kamen mir auch eine Stunde später noch Fahrradfahrer entgegen, die dick eingepackt waren… Ich fuhr auf direktem Weg zurück zum Canal de Nantes à Brest und ich konnte feststellen, dass dieser auch von Langstrecken-Wanderern bzw. Pilgern genutzt wird. Einmal sah ich auch einen typischen Kleber mit einer Jakobsmuschel – viel mehr vielen mir aber die zahlreichen Rast- und Biwackplätze ins Auge.
An so einem Rastplatz legte ich auch meine Mittagspause ein, der Campingstuhl kam somit wie schon vorgestern nicht zum Einsatz. Als ich vom Nickerchen wieder aufwachte, hatte sich auch ein französisches Pärchen aus dem Süden auf dem Rastplatz installiert. Sie bereisen die Bretagne mit dem Fahrrad für eine Woche, danach fahren sie mit dem Auto ab Nantes zurück. Später überholte ich ein walisisches Pärchen, das mit dem Fahrrad innert 40 Tagen nach Bilbao fährt und dort die Fähre zurück nehmen wird. Auf der Etappe nach Prestatyn vor etwa zwei Monaten bin ich nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause vorbeigefahren.
Dem Canal de Nantes à Brest folgte ich insgesamt 250 flache Kilometer, und den Abschied konnte ich bewusst vollziehen. Ich sah nämlich auf einmal, dass auf der anderen Kanalseite Radfahrer unterwegs sind – und es ist sehr unüblich, dass es auf beiden Seiten eines Kanals einen Radweg gibt. Bin ich auf der falschen Seite, oder die anderen? Nun, wir waren beide auf der korrekten Seite, denn knapp zwei Kilometer später war ich auch an jener Stelle… Der Radweg folgt weiter dem Kanal, geht dann über eine Brücke und auf der anderen Seite etwas mehr als einen Kilometer wieder zurück, um anschliessend auf anderen Wegen und durch urbanes Gebiet nach Nantes zu gelangen.
In Nantes fuhr ich zuerst bewusst am angepeilten Campingplatz vorbei, denn ich wollte zuerst zum Cyclable-Shop nur wenige Kilometer weiter; auf dem Weg nach Plymouth hatte ich neue Vorderrad-Fahrradtaschen bestellt und dorthin liefern lassen. Es sind wieder Ortlieb-Taschen, die alten waren nach 20 Jahren und fast 50’000 Kilometer am Rad nicht mehr wasserdicht. Nun haben Vorder- und Hinterradtaschen (fast) die gleiche Farbe – die Hinterradtaschen sind einfach ziemlich staubig vom Radweg…
Nachdem ich die alten Taschen und die Verpackung im Shop zurückgegeben habe, fuhr ich zum Supermarkt und anschliessend wieder zum Campingplatz. Dort erhielt ich jedoch die Auskunft, dass dieser voll sei. Wow, mit sowas hätte ich im Juli und August gerechnet, aber nicht an einem Werktag im September! Zum Glück gibt es der Loire entlang zahlreiche Campingplätze, und so traf ich etwas mehr als 10 Kilometer später kurz nach 17 Uhr auf dem Campingplatz von Sainte-Luce-sur-Loire ein.
Nachdem das Zelt stand, hatte ich zwei Ziele: 1. Fahrradkette spannen und 2. Ladung in den Packtaschen umverteilen. Im Laufe des Tages fiel heute mehrmals die Kette vom Zahnkranz, sie muss also wieder gespannt werden – bisher war das erst in Derry/Londonderry notwendig, als ich gleichzeitig die Kette gründlich reinigen liess. Ich habe ja einiges an Werkzeug dabei, musste aber feststellen, dass ich genau diese Schlüsselgrösse nicht zur Hand habe – und mit der Rohrzange kann ich nur zwei der vier Schrauben lösen. Daher musste ich es bei einer Kettenreinigung und -Schmierung belassen und morgen unterwegs einen Fahrradladen ansteuern.
Sämtliches Werkzeug und Ersatzmaterial hatte ich bisher auf allen Touren in der Packtasche vorne links griffbereit (vorne rechts ist die Essenstasche). Da ich wohl bald am Morgen wärmere Sachen anziehen muss, möchte ich die mitgenommenen Kleider etwas flexibler nutzen können. Das Werkzeug benötige ich unterwegs sowieso äusserst selten, weshalb es nun in eine der hinteren Taschen wanderte. Nur ein Pneuflickset sowie das Kettenschmiermittel bleiben vorne. Dafür kommen die Multifunktionsjacke sowie zusätzliche Unterhemden nach vorne zu den Kleidern, die bereits bisher dort verstaut waren (Unterhemd, dünnes Langarmhemd, dickeres gelbes Langarmtrikot sowie Regenbekleidung).
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Heute konnte ich nach 34 Kilometern das Jubiläum zu Tour-Kilometer 6’000 feiern!
