Gestern hat es praktisch den ganzen Tag geregnet – und wenn es nicht regnete, fegten Sturmböen über die Unterkunft. Daher blieb ich den ganzen Tag innerhalb „meiner“ 15 Quadratmeter.
Heute Morgen verabschiedete ich mich von Shauna gegen 8.00 Uhr, und die ersten Kilometer hinunter zum River Foyle nahm ich auf bestens bekannten Radwegen unter die Räder – schliesslich bin ich da am Montag und am Dienstag schon durchgefahren. Als ich das Ufer erreicht hatte, war ich wieder auf Neuland, und überquerte den River Foyle auf der unteren Etage einer zweistöckigen Brücke – am Dienstag hatte ich nur die obere Fahrbahn gesehen, als ich daran vorbeifuhr.
Die restlichen Kilometer auf nordirischem Boden verliefen flach dem Fluss entlang. Dabei wurde mir klar, warum ich am Montag beim Bahnhof keinen Zug gesehen habe: Unterwegs waren kurz die Eisenbahnschienen zu sehen, die sonst überwachsen oder sogar zugeschüttet worden sind. Zumindest auf dem Radweg war die Grenzüberquerung nach Irland nicht zu sehen, und auch auf der irischen Seite sah ich zunächst mehr nordirische Nummernschilder als irische!
Nach einer Stunde Fahrzeit konnte ich mich dem gelben Langarmhemd entledigen und wieder das Kurzarmhemd über das Thermo-Unterhemd streifen – kurz darauf kamen die ersten Anstiege, und die gaben mir zusätzlich etwas warm. Das Thermo-Unterhemd blieb heute jedoch den ganzen Tag am Körper.
Bis kurz vor Stranorlar folgte ein ständiges Auf und Ab auf kleinen Strässchen ohne nennenswerten Verkehr. Ganz anders präsentierte sich die Situation in Stranorlar: Dort treffen die Strassen aus verschiedenen Richtungen aufeinander, und der Stau von der Ampel an DER Kreuzung zog sich massiv in die Länge. Zum Glück kam ich von einer weniger befahrenen Richtung, so dass ich schon bei der zweiten Grünphase über die Kreuzung kam – aber danach wartete eine kilometerlange Blechlawine auf der anderen Strassenseite!
Nach dem Stau nutzte ich ein kleines Plätzchen hinter einer Absperrung für meine Mittagspause, danach ging es laut meinem Routenplaner zum höchsten Punkt der Tagesetappe. Das Problem war nur, dass man die Steigung von Auge kaum sehen konnte – das gibt einem ein ganz schlechtes Gefühl, wenn man nach einer Pause nur noch in den kleinsten Gängen vorwärtskommt! So stark kann der Gegenwind doch nicht sein – habe ich etwa keine Kraft mehr in den Beinen? Nun, es wurde schlussendlich auf einem Schild angezeigt, dass eine siebenprozentige Steigung folgt – und so viel steiler als zuvor kam es mir nicht vor…
Als das Hinterrad wieder etwas höher war als das Vorderrad, konnte ich richtig Tempo bolzen! Der Gegenwind perlte richtiggehend an mir ab und ich hatte einen breiten Seitenstreifen, den ich nutzen konnte. Kurz vor Donegal wurde mein Temporausch aber jäh gebremst: Platten am Vorderrad! Zum Glück begann da gleich das Trottoir, so dass ich die Reparatur nicht auf der Strasse vornehmen musste. Ursache war ein 1.5 cm langer Dorn, der es geschafft hat, sich ins Profil zu bohren und aufgrund seiner Steifheit auch den Pannenschutz zu durchdringen. Immerhin habe ich die Stelle rasch gefunden und ich konnte mit einem Plastikteil, das am Strassenrand lag, den Dorn aus dem Reifen drücken. Da der Schaden am Vorderrad entstand, dauerte die Reparatur nur 15-20 Minuten – am Hinterrad hätte ich dafür fast eine Stunde gebraucht, weil ich dann das gesamte Gepäck wie auch die Gangschaltung hätte demontieren müssen.
Fast in der Mitte zwischen Donegal und Rossnowlagh kam mir ein holländisches Paar aus Arnhem mit ihren Fahrrädern entgegen. Sie haben die letzten zwei Wochen den Küstenradweg ab Limerick abgefahren. Heute ist ihr drittletzter Fahrradtag, danach folgen noch Städtetrips auf der Insel, bis sie wieder nach Hause reisen.
In Rossnowlagh fuhr ich auf einem mir neuen Untergrund: Kompakter Sand! Fast zwei Kilometer ist der Fahrradweg auf dem Strand, auch Autos sind darauf parkiert. Schon noch ein spezielles Gefühl… Vom Strand weg führte eine Betonstrasse, die wohl 15-20 % steil war. Zwei Strandgängerinnen staunten ungläubig, wie ich das schwer beladene Fahrrad hochwuchtete und dabei noch mit ihnen reden konnte! Danach war es nicht mehr weit bis Ballyshannon, meinem Etappenziel – aber eine kleine Regenzelle musste da doch noch unbedingt über mich ziehen…
In Ballyshannon ging ich zuerst einkaufen, danach fuhr ich wieder über eine doppelstöckige Brücke. Diesmal war die unteren Etage jedoch den Fahrrädern und Fussgängern vorbehalten. Auf der Brücke konnte man auf der einen Seite auf Ballyshannon hinabsehen, auf der anderen Seite war nur eine Betonmauer zu sehen. Hinter der Betonmauer wurde der Fluss Erne aufgestaut – ob zur Energieproduktion und zur Trinkwasserreserve, habe ich nicht abgeklärt. Jedenfalls befindet sich der Campingplatz am Ufer des Stausees – und bei der Ankunft wurde mir mitgeteilt, dass die Campingduschen und -Toiletten nicht funktionieren, da es kein Wasser gibt. In der Stadt habe es einen Rohrleitungsbruch gegeben, der derzeit repariert werde. Im gleichen Gebäude wie die Reception befinden sich jedoch auch die Sanitäranlagen des angrenzenden Sportplatzes, und dort gibt es einen Wassertank auf dem Dach – so konnte eine dieser Duschen benutzen.
Nach dem Duschen hängte ich meine Kleider zum Trocknen in den Wind und reparierte den Veloschlauch – da wurde ich aber jäh unterbrochen von einem Regenschauer! Daher alles so rasch wie möglich ins Zelt geworfen und ich hinterher – zum Glück war der Spuk nach knapp 15 Minuten vorbei!



















