Fr 03.07.2026 | Watten – Canterbury

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Via

  • Gravelines
  • Calais
  • Dover

Infos

  • 98 km
  • 6:23 h
  • 5.00 l
  • Zelt
  • Canterbury Club Site
  • GBP 14.03

Strava

Als heute Morgen in der Schweiz andere den Fernseher einschalteten, begann ich mit dem Frühstück im Zelt – Das Resultat des Fussballspiels habe ich später im Teletext angeschaut. Da war ich bereits einige Kilometer von Watten weg, und nun tatsächlich eben und bis kurz nach 7 Uhr auch windstill einem Kanal entlang. Auf den letzten wenigen Kilometern bis zum Leuchtturm von Gravelines musste ich etwas seitlichen Gegenwind durchstehen, der sich aber danach – dank einer 90 Grad-Drehung der Route – zu einer schönen Unterstützung bis Calais verwandelte!

Dort traf ich viel früher ein als erwartet, was ja auch nicht schlecht ist. Zuerst ging ich in den Carrefour, um noch ein paar letzte Lebensmittel auf dem Kontinent einzukaufen, anschliessend zum Decathlon. Dieser öffnet um 09.30 Uhr, und bereits um diese Uhrzeit war ich dort. Ich zeigte einem Mitarbeiter ein Bild des Campingstuhls, den ich mir gestern angesehen hatte – und keine 5 Meter weiter waren alle Campingstühle – inklusive meinem Favorit – ausgestellt. Ein kurzes Probesitzen, EUR 55 bezahlt, und durch die Stadt gefahren – am Wegweiser zum Hafen bin ich beim Hinfahren vorbeigefahren.

„Meine“ Fähre hatte ich für 12.50 Uhr gebucht, mindestens eine Stunde vorher sollte man dort sein. Ich war um 10.15 Uhr beim ersten Gebäude am Ende des Radweges angelangt. Dieses war nur für Fusspassagiere, aber immerhin gab es einen Situationsplan, wie es für Velofahrer weitergeht. Ein paar Meter zurückfahren, die Strasse kreuzen und dann zum Ticketschalter von DFDS. Die Dame hat meine Buchungsnummer eingegeben und den Pass eingesehen – und mir dann ein Ticket für die Fähre um 11.20 Uhr offeriert. Das habe ich natürlich gerne gewonnen, habe ich so doch 90 Minuten „gewonnen“. Also ein paar Meter weiter und bei einer Autokolonne hinten anstehen, bis ich dem französischen Grenzwächter meinen Pass zeigen konnte. Danach ging es nach einer kurzen Gerade um eine 180 Grad-Kurve und wieder etwa auf die gleiche Höhe zum britischen Zoll. Dieser war mit meinen Reiseplänen einverstanden, und ich durfte auch diese Zollstation passieren. Nun zur Spur 1205, wo ich alleine war – die Autos und Lastwagen hatten andere Spuren und waren bereits am Verladen. Die Angestellte erklärte mir, dass ich nach den Autos als Letzter auf die Fähre gehen werde. So konnte ich dem Verladespektakel zusehen, denn dreimal wollten Autofahrer nicht ihre Luke 2 nehmen, sondern den Lastwagen in Luke 1 folgen. Das gab dann jeweils ein bisschen Aufregung beim Personal…

Als die Autoschlangen abgearbeitet waren und ich auf die Fähre durfte, standen schon zwei andere Tourenräder dort. Ich stellte meines hinzu, band das Velo mit den Seilen an und fuhr mit Lenkertasche und Essentasche mit dem Lift von Deck 5 auf Deck 8. Dort gab es gleich neben dem Lift eine grosse Lounge, wo nur 3 weitere Personen waren. Die Meisten hatten bei diesem schönen Wetter offenbar einen Platz draussen gesucht – aber ich bin ja nun praktisch die ganze Zeit draussen, und, noch viel wichtiger, wollte ich die Orientierung nicht verlieren und wieder am richtigen Ort in den Bauch der Fähre hinuntersteigen.

Die Überfahrt nutzte ich gleich für mein Mittagessen (Reste des Kartoffelsalats von Tournai mit Resten des Brotes von Luxemburg) und legte mich auf dem Sofa hin für einen Mittagsschlaf – so wie es die anderen auf ihren jeweiligen Sofas auch taten. Als ich wieder aufwachte, sassen ein paar Leute mehr in der Lounge, diese mussten nun mit Sesseln Vorlieb nehmen…

Plötzlich tauchten die englischen Kreidefelsen vor dem Panoramafenster auf, und schon war die 100-minütige Überfahrt nach Dover zu Ende. Also wegen dem Wechsel der Zeitzone dauerte dies ja eigentlich nur 40 Minuten… Wieder zurück beim Velo zeigte sich, dass die anderen beiden Velos von einem britischen Paar gefahren werden, das eine grosse Tour durch Skandinavien unternommen hatte und nun auf den letzten Meilen zurück nach Hause ist. Für die Ausfahrt aus dem Fährhafen konnte ich sie aber gleich als Guides nutzen, und wir waren auf dem schnellsten Weg draussen (am Boden gab es durchgehend eine Markierung für Velofahrer).

Danach trennten sich unsere Wege, und ich nahm die Fährte meiner Route auf. Vom Zentrum in Dover, wo ich hinauf auf das Schloss blicken konnte, ging es in einer 13 %-Steigung zu diesem Schloss hinauf – das sorgte für einige Schweissperlen! Leider hatte dies auch Auswirkungen auf mein Handy, denn ein Schweisstropfen aktivierte den Feuchtigkeitssensor und das Handy liess sich bis am Abend nicht mehr laden! Zum Glück brauchte ich Organic Maps nur selten zum Navigieren, da der Radweg meist sehr gut ausgeschildert war.

Landschaftlich sind die Radwege in England schon eine ganz andere Sache als auf dem Kontinent: Auf von Hecken und Büschen begrenzten, engen Strässchen, bei dem ein Kreuzen mit einem Auto selbst für mein Gefährt oft nicht möglich ist, in einem ständigen Auf und Ab dem Landesinnern entgegen. Bei den Anstiegen musste ich leiden (wobei ich bereits spüre, dass ich deutlich mehr Kraft in den Beinen habe als beim Tour-Start!), und in den Abfahrten musste ich oft bremsen, da diese verwinkelt waren und jederzeit ein Auto hätte entgegenkommen können. Immerhin fiel mir heute das Linksfahren relativ einfach. Da es in den Hecken auch Dornen hat, hat mein linker Arm aber ein paar Kratzer beim Kreuzen abbekommen. Immerhin habe ich dabei nie Brennnesseln erwischt, die ich dann und wann auch am Wegesrand sah!

In Canterbury traf ich kurz nach 16 Uhr Ortszeit auf dem Campingplatz ein, der mir sehr gut organisiert erscheint. Seit April dieses Jahres bin ich im Club, der diesen Campingplatz – und zahlreiche weitere in ganz Grossbritannien – betreibt. So kann ich mindestens von Rabatten auf den Übernachtungspreisen profitieren. Ob ich morgen aber auch auf einem Campingplatz übernachten werde, ist eher ungewiss. Ich werde voraussichtlich den Grossraum von London erreichen, wo Campingplätze rar sind. Aber zuerst werde ich ja ausschlafen müssen, da ich die Zeitzone wechselte!


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