Geschlafen habe ich auf der neuen Luftmatratze ganz gut. Diese habe ich gestern Abend noch im Intermarchรฉ im Nachbardorf fรผr 20 Euro erworben. So nahm ich dann gut erholt und mit leichtem Gepรคck (nur Essen, Ersatzeile und warme Bekleidung / Regenkleider) die heutige Etappe in Angriff, welche im Wesentlichen einen Teil der heutigen Tour de France-Etappe beinhaltet. Da ich 2 Nรคchte auf dem Zeltplatz gebucht habe, kann ich das Zelt und einen Teil der Ausrรผstung mal stehen lassen.
Also nahm ich zuerst den Col du Glandon in Angriff – und kriegte gleich mal einen Schock: Statt auf einer erhofften Hรถhe von ca. 1000 Metern รผber Meer stieg ich bei weniger als 700 Metern in den Pass hinein. Also noch ein paar Hรถhenmeter mehr als gedacht…
Locker fuhr ich die Steigung hoch, und man merkt schon, wenn da etwa 10 kg weniger Gepรคck auf dem Fahrrad sind. Als ich da an den vielen Campern vorbeifuhr, die die TdF erwarteten, bereute ich es natรผrlich schon ein wenig, nicht das gesamte Gepรคck aufgeladen zu haben. Das hรคtte sicherlich den einen oder anderen noch mehr ins Erstaunen gebracht als so mit „nur“ zwei kleinen Fahrradtaschen. Als dann aber die letzten Kilometer vom Col du Glandon anbrachen und es nur noch im zweistelligen Prozentbereich aufwรคrts ging, war ich dann aber doch froh, nicht alles hochschleppen zu mรผssen! Nach diesen Strapazen kamen mir dann die restlichen 2.5 km zum Col de la Croix de Fer fast flach vor…
Was hier an so einer Tour de France-Etappe abgeht, ist aber einfach unglaublich! Damit meine ich aber nicht nur die Zuschauer, die da schon frรผhmorgens der Dinge harren, sondern auch die Streckensicherung. Ich erreichte um 11 Uhr den Gipfel vom Col de la Croix de Fer, also etwa 5 Stunden vor dem ersten Profi. Aber auf dem Weg dorthin รผberholten mich Dutzende Motorrรคder und Autos der Gendarmerie, und entlang der Strecke waren die Polizisten auch an jedem erdenklichen Ort postiert. Da frage ich mich: Was machen die eigentlich alle den Rest vom Jahr, wenn nicht Tour de France ist?
So fuhr ich dann hinunter ins Tal nach St-Jean-de-Maurienne, wobei ich den Col de Mollard rechts liegen liess. Nach einem lรคngeren Gegenanstieg konnte ich mich dann endgรผltig ins Tal stรผrzen, wobei diesen Teil die Profis dann wieder bergwรคrts Richtung La Toussuire befuhren. Dann ging es wie gestern im Gegenwind Richtung La Chambre. Allerdings bog ich da etwas vorher ab und fuhr nach St-Etienne-de-Cuines an den Fuss vom Col du Glandon.
Dort postierte ich mich bei Beginn der Bergwertung und wartete den TdF-Tross ab. Ich war gerade rechtzeitig zu Beginn der Werbekarawane eingetroffen, welche dann nach halb zwei Uhr durchs Dorf rollte. Dabei amรผsierte ich mich vor allem รผber plรถtzliche Agilitรคt von รคlteren Leuten, wenn sie ein Give-Away vor Augen hatten…
Nรคchste รberraschung: Werbekarawane vorbei, Leute weg! Wo sind die alle hin? Nach Hause fernsehen? Oder ihre Schรคtze in Sicherheit bringen? Jedenfalls kamen sie wieder zurรผck, kurz bevor die ersten Profis vorbeirauschten…
Und ein Vorbeirauschen war das tatsรคchlich: im Nu waren die Spitzenreiter vorbei, keine Minute spรคter die ersten Verfolger, mit ein bisschen mehr Rรผckstand das Feld, und knapp 10 Minuten hinter der Spitze die Letzten. Wobei ich auch denen nicht mehr als 30 Meter hรคtte folgen kรถnnen…
Ich ging dann zurรผck auf den Campingplatz, wo ich dann noch den Schluss der Etappe auf Grossleinwand verfolgte. Tja, als die das Ziel endlich erreicht haben, hatte ich schon lange geduscht…
Nachdem ich gestern im Restaurant vom Campingplatz eine geschlagene Stunde! auf das Essen warten musste (und sie hatten nur Bestellungen von 2 Menus, der andere musste noch lรคnger hungern), gรถnnte ich mir heute wieder eine grosse Portion Spaghetti auf meinem Kocher. Bei der Saucenmenge berufe ich mich natรผrlich auf das „ca.“ in „ca. 4 Personen“!


















